Wir machen uns mit Boot und Revier vertraut

Wir haben unsere Franziska vom Vorbesitzer in Kroatien übernommen. Damit war uns vom ersten Augenblick klar, dass wir die Gelegenheit nutzen werden und die kroatische Inselwelt erkunden wollen. Als Ausgangspunkt haben wir die Marina Punat auf der kroatischen Insel Krk gewählt. Krk ist die größte Insel der Adria und liegt in der Kvarnerbucht südöstlich von Rijeka. Das erste Jahr mit unserer Franziska wollen wir noch keine ausgedehnte Reise unternehmen. Vielmehr haben wir uns am Wasserliegeplatz und bei ein- bis zweitägige Fahrten im Bereich der Kvarnerbucht mit dem neuen Boot und Revier vertraut gemacht.

Wir machen uns mit der Franziska vertraut

Mit dem neuen Boot hatten wir einen sehr zeitaufwendigen Prozess des Kennenlernens, Verstehen, Einarbeiten und der Anpassungen an unsere Bedürfnisse durchlaufen. Den Umfang und den zeitlichen Aufwand hatten wir maßlos unterschätzt. An dieser Stelle wollen wir nur zwei Punkte der ToDo Liste beschreiben:

  • Im Funkgerät war weder eine MMSI Nummer (Maritime Mobile Service Identity) eingetragen, noch wurden die Koordinaten übernommen und angezeigt. Mit einarbeiten, lesen der Handbücher, ändern der Konfiguration und der Verkabelung waren wir ein paar Tage beschäftigt, bevor wir diesen Punkt als erledigt von der ToDo Liste streichen konnten. Dummerweise hat sich die Liste dabei nicht verkürzt, ein neuer Punkt ist wieder hinzugekommen. Mit der MMSI Nummer haben wir auch eine ATIS Nummer (Automatic Transmission Identification System) von der Bundesnetzagentur erhalten, welche in einigen europäischen Binnengewässern benötigen wird. Allerdings muss die ATIS-Funktion durch einen Raymarine-Händler programmiert werden, bevor man eine ATIS-Nummer in ein Raymarine Ray240 eingeben kann.

 

  • Auch wenn wir den Luxus eines Generators besitzen, möchten wir am Ankerplatz und in der Winterpause unsere Batterien über ein Solarmodul nachladen. Das ist einfacher gesagt als realisiert. Wir haben nicht nur eine Batterie an Bord, wir haben sieben Batterien in vier von einander separierten Gruppen. Die Gruppen sind: Motor, Bordstrom, Bugstrahlruder und Heckstrahlruder. Die simple Standardschaltung besteht aus Solarmodul, Laderegler und eine Batterie ist in unserem Fall nicht möglich. Verkompliziert wird unsere Installation dadurch, dass wir in den Gruppen unterschiedliche Batterietypen haben, die unterschiedliche Ladekennlinien und Ladespannungen erfordern. Nach langen Internet-Recherchen und Diskussionen mit Fachleuten hoffen wir eine geeignete Lösung gefunden zu haben. Wenn im nächsten Jahr sich unsere Lösung bewehrt hat, werden wir die Lösung hier näher erklären.

 

Die zwei Beispiele sollen ein wenig den Aufwand aufzeigen. Der Aufwand begründet sich auch durch die Reisen, die wir mit der Franziska in den nächsten Jahren unternehmen wollten. Wir haben im Hafen Punat sehr viele Eigner kennengelernt, die bisher nur in Kroatien unterwegs waren, die bei schönem Wetter morgens den Hafen verlassen, in einer nahegelegen Bucht ankern und am Abend wieder in den Hafen fahren. In diesem Fall sind beim Funkgerät die MMSI-Nummer und die DSC-Funktion nicht besonders wichtig. AIS und Radar sind bei schönem Wetter auch mehr ein dekorativer Zierrat. Auch wenn wir in diesem Jahr selber morgens den Hafen verlassen und am Nachmittag wieder zurückgekommen sind, so ist das nicht unsere Planung für zukünftige Reisen.

Wir machen uns mit dem Revier vertraut

Die Küstengewässer Kroatiens sind für uns vollkommen neu und wir haben uns langsam an die ungewohnte Inselwelt herangetastet. Im Löwengolf fährt man überwiegend parallel zur Küste, auf der einen Seite Land und auf der andern Seite offenes Meer. Das macht die Navigation einfach, entweder geht es nach Westen oder nach Osten. In der Inselwelt sieht man Land und Berge links, rechts vor und hinter dem Boot. Im Löwengolf sind Wellenhöhen von einem Meter fast schon normal, zwischen den kroatischen Inseln haben wir das noch nicht erlebt. In beiden Revieren gibt es eine Windgeißel, im Löwengolf ist es der Mistral und hier ist es die Bora.

Die Menschen um uns herum

Abgesehen von den Menschen, die wir umgangssprachlich als Kotzbrocken bezeichnen würden und die es überall auf der Welt gibt, sind uns in Kroatien die Menschen hilfsbereit, freundlich, offen und entgegenkommend begegnet. Dennoch haben wir uns nicht so wohlgefühlt, wie das in Frankreich der Fall ist. Die sprichwörtliche französische Gelassenheit, das Leben nicht schwerer zu nehmen, als es ohnehin schon ist, haben wir in Kroatien vermisst. Sobald wir uns in Frankreich aufhalten, überträgt sich die französische Gelassenheit. Nach einigen Tagen Aufenthalt akzeptieren wir stärker die Dinge so wie sie sind und fragen weniger nach dem Sinn. Wir entwickeln eine Form von Resistenz gegen alles was uns auf die Palme bringen könnte, auch wenn manches noch so widersprüchlich oder obskur erscheinen mag. Als zweiten Unterschied begegneten uns die Menschen in Frankreich leutseliger. Außerhalb der Städte geht man in Frankreich nicht ohne ein freundliches Bonjour (Hallo) aneinander vorbei und manchmal streicht dabei eine Hand durch den Pelz von unserem Bordhund. Was dann nicht selten in einen kurzen Small Talk endet. In Kroatien haben wir das nicht so ausgeprägt erlebt. Ein sehr positiver und angenehmer Unterschied ist die sprachliche Verständigung. In Frankreich geht ohne französisch nicht sehr viel. Mit jungen Franzosen und dem Hafenpersonal kann man sich auf Englisch einigermaßen verständigen. Das ist in Kroatien ganz anders, ob im Hafen, Werkstatt oder Restaurant oft kann man sich auf Deutsch verständigen und immer auf Englisch.

Die kroatische Bürokratie

Unübersehbar auf der Negativseite stehen zwei gravierende Punkte. Obwohl Kroatien seit dem 1. Juli 2013 Mitglied der EU ist, zurzeit aber noch nicht dem Schengenraum angehört, hat Kroatien die Einreise ungewohnt bürokratisch gestaltet. Auf dem Landweg wurden an der Grenze unsere Pässe bzw. Personalausweise gründlich kontrolliert und eingescannt. Das führt besonders in der Urlaubszeit und am Wochenende zu Wartezeiten, unser Rekord steht bei mehr als einer Stunde, aber es geht noch viel mehr. Für den Fall, das wir auf die dumme Idee kommen könnten und auf dem Seeweg Italien besuchen wollten, haben wir uns die Bestimmungen angesehen und sogleich diese Gedanken verworfen. Das beschriebene Verfahren und die Regeln kennen wir nicht vom westlichen Mittelmeer. Wir haben von Korsika (Frankreich) nach Sardinien (Italien) übergesetzt oder am Cap Creus die französisch/spanische Grenze mehrfach passiert und unsere einzige Aktion war der Wechsel der Gastlandflagge.

 

Weiterhin gibt es eine nicht übersehbare Tendenz bei Bootseigner bzw. Skipper abzukassieren. Es ist uns nicht gelungen eine Gegenleistung zu erkennen, die die nachfolgenden Gebühren rechtfertigt.

 

Befahrungsgebühren / Schiffssicherheitsgebühren

In Kroatien werden „Gebühren für die Sicherheit der Schifffahrt“ erhoben. Das gilt auch für Beiboote über 2,5 Meter Länge oder über 5 kW Motorleistung. Diese Gebühr wird auch als Vignettengebühr bezeichnet. Bootseigner, deren Boot unter kroatischer Flagge registriert ist, erhalten die Gebührenrechnung auf postalischem Wege, alle anderen müssen die Gebühr bei den örtlichen Hafenämtern begleichen. Für unsere Franziska mit einer Rumpflänge von 9,98 m beträgt die Gebühr 924 Kuna (etwa 125 €) im Jahr.

 

Kurtaxe

Die Kurtaxe für Bootseigner bzw. für Skipper in Kroatien wird vom kroatischen Tourismusverband verwaltet. Als „Schiff“ im Sinne der Verordnung gilt ein Wasserfahrzeug mit einer Länge von mindestens sieben Metern und eingebauten Liege- bzw. Schlafplätzen, dass zu Freizeitzwecken genutzt wird. Wahlweise kann man nach der Zahl der Personen an Bord oder pauschal nach Bootslänge bezahlen. In unserem Fall waren das 10 Kuna (etwa 1,33 €) pro Person und Tag oder zum Beispiel pauschal für 30 Tage 800 Kuna (etwa 106 €).

 

Angelschein

An den Meeresküsten von Frankreich darf man ohne Angelschein angeln und wir haben oft eine Schleppangel bei langsamer Fahrt hinter uns hergezogen. Dabei muss man nur zwei Regeln beachten. An offenen Küsten ist das Angeln mit einer Rute und maximal zwei Haken gestattet. Fische, die nicht verzehren werden, müssen wieder in das Meer geworfen werden. In Kroatien haben wir darauf verzichtet, der Angelscheine für „See“ kosten für einen Tag 60 Kuna (etwa 8 €), für drei Tage 150 Kuna (etwa 20 €) und für sieben Tage 300 Kuna (etwa 40 €).

Fertig für den Winter

Seit Ende September steht unsere Franziska sicher und trocken auf einem Landliegeplatz. Jedoch ist der Landliegeplätze nicht zu vergleichen mit dem Landliegeplatz unserer Bumble-Bee in Port-Saint-Louis-du-Rhone. Hier stehen wir an einem Trockendock mit ausgesprochen leichtem und sicherem Bootszugang, ohne Sorge um die Wetterverhältnisse. Alle für einen Aufenthalt an Bord benötigten Anschlüsse sind vorhanden. Der Jahres-Liegeplatz für eine Unterbringung auf dem Trockendock der Marina Punat beinhaltet:
  • Lagerbock
  • 4 Kranungen mit dem Travel-Lift
  • 4 Transporte an Land nach dem Kranen
  • 2 mal Reinigung des Rumpfes
  • 1 Autoparkplatz in einer beaufsichtigten Zone

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© Christine und Rainer Klotz