Die wild-romantische Westküste Korsikas

Die Segelpause war lang und wir hatten viel Zeit unsere Frühsommerreise zu planen. Am Ende der Planung standen zwei Alternativen zur Wahl. Eine Möglichkeit wäre die Reise vom Herbst 2013 fortsetzen und weiter bis zur Riviera di Levante zu segeln. Die Alternative dazu war an der französischen Küste entlang bis zur Ile de Porquerolles, von dort nach Korsika übersetzen und die korsische Westküste entlang bis Bonifacio zu segeln. Dort können wir dann entscheiden, ob wir wieder in umgekehrte Richtung Port-Saint-Louis-du-Rhône ansteuern oder wenn wir noch genügend Zeit haben, die Reise bis Sardinien oder Porto Vecchio ausdehnen. Unabhängig von der Alternative wollen wir vor dem Beginn der französischen Sommerferien am 6. Juli wieder in Port-Saint-Louis-du-Rhône sein. Erst kurz vor der Abreise haben wir uns für die Korsika-Alternative entschieden, denn sie bietet mit den notwendigen Nachtfahrten einen Nervenkitzel, der uns innerhalb unserer Segelerfahrungen noch fehlt.

Sonntag, der 25. Mai: Die Anreise

Heute ist die Wahl des Europaparlaments und in Nordrhein-Westfalen finden gleichzeitig Kommunalwahlen statt. Für uns ist der 25. Mai der Reisetag nach Port-Saint-Louis-du-Rhône. Der Wecker hat unsere Nachtruhe bereits um 5 Uhr beendet und 40 Minuten später starten wir im bis unter die Decke vollgepacktem Auto. Sonst ist nicht viel über die Fahrt zu berichten, schöner Frühsommertag, wenig Verkehr, spannendes Hörbuch und so erreichen wir unsere Bumble-Bee kurz nach 17 Uhr. Beinahe sechs Monate stand unsere Jacht auf ihrem Stellplatz an Land und somit ist die allererste Aktion ein Rundgang außen ums Boot, übers Deck und unter Deck. Alles in Ordnung, auf dem ersten Blick sind keine Schäden zu erkennen. Nur furchtbar verstaubt ist es auf und unter Deck. Nach einer ersten notdürftigen Reinigung räumen wir nur noch unser Auto aus und verstauen die ganze Ausrüstung im Boot.

Montag, der 26. Mai: Erste Nacht an Bord

Auf irgendeine seltsame Weise schläft es sich befremdend im Boot, wenn es auf Land steht, das wird sich aber am Nachmittag ändern. Um 15 Uhr wird unsere Bumble-Bee mit dem Hubwagen abgeholt und gewohnt professionell schwimmt sie 30 Minuten später im Salzwasser des Hafenbeckens. Solange das Boot noch über dem Hubwagen schwimmt, habe ich unter Deck und in der Bilge geprüft, ob alles dicht ist. Aber auch hier ist alles klar, kein einziger Tropfen zeigt sich. Jetzt muss nur noch unser Diesel zeigen, wie ihm die Winterpause bekommen ist. Ohne Probleme, als ob er gestern noch gelaufen wäre, meldet er sich sofort mit seinem zufriedenen Brummen und Tuckern. Wenn jetzt noch das Anlege-Manöver in der schmalen Lücke am Hafenkai gelingt, wird es ein perfekter Tag. Zufrieden sitzen wir im Cockpit und werden sanft von den kleinen Wellen geschaukelt. Wenn wir nicht einkaufen und unsere Lebensmittelvorräte auffüllen müssten, könnten wir den restlichen Tag bei einem Glas Anlege-Wein im Cockpit genießen. Aber ohne Einkauf im nahen Intermarché kein Wein, kein Abendessen und auch kein Frühstück, so ungerecht ist das Leben.

Freitag, der 30. Mai: Klar zum Auslaufen

Klar zum Auslaufen

Erstaunlich, wie schnell die Tage dahinschwinden. Haben wir doch ganze vier Tage gebraucht, bis wir klar zum Auslaufen sind. Innen und außen gründlich säubern, Deckaufbauten polieren, Teakholz pflegen, kleinere Reparaturen, neues Solarmodul montieren und anschließen und am Ende die Segel aufziehen. Besonders lange habe ich den Austausch der "Einen Dichtung" unserer Bordtoilette vor mir hergeschoben, denn ich liebe diese Arbeit nicht gerade. Die Dichtung, die beim Abpumpen den Rückfluss des Toiletteninhalts verhindert, wurde schon im vergangenen Herbst undicht. Ja und dann brauchten wir auch noch die Hilfe eines lokalen Technikers für unseren defekten Raymarine Windmesser. Nachdem der Techniker alles geprüft hatte, eröffnete er uns seine sehr kostspielige Diagnose. Die Messeinheit im Masttop ist defekt und muss ausgetauscht werden.

 


Samstag, der 31. Mai: Ile de Frioul, an der Promenade angelegt

Unser Liegeplatz an der Promenade

Schon vor 9 Uhr haben wir an der Kaimauer abgelegt und sind hinaus auf den Golfe de Fos gefahren. Hinter der letzten Tonne der Hafeneinfahrt konnten wir die Segel setzen und mit einem schönen achterlichen Schiebewind den Golfe de Fos überqueren. Beim Kontrollblick zum Masttop fehlte doch was. Wo zum Henker ist unser Verklickerer geblieben? Der Verklickerer ist eine kleine Windfahne, die die scheinbare Windrichtung relativ zum Boot anzeigt. Futsch ist er, muss wohl den Winterstürmen zum Opfer gefallen sein. Damit haben wir zwei Winterschäden im Masttop, der Raymarine Windmesser kaputt und der Verklickerer weggeweht. Die weitere Fahrt war bis auf eine halbstündige Flaute am Cap Couronne unspektakulär. Als wir den Hafen der Ile de Frioul erreichen trauen wir unseren Augen nicht, alle Anlegeplätze vor dem großen, die Inselteile verbindenden Damm - leer! Keine einzige Jacht hat vor dem Damm festgemacht. Um zu sehen, was denn da schon wieder los ist, steuern wir das Büro der Capitainerie an und erkennen, dass an der Kaimauer gearbeitet wird. Auf einer Bank vor seinem Büro sitzt der beleibte Hafenmeister und zeigt mit dem Arm auf die Liegeplätze an der Promenade. Das haben wir ja noch nie erlebt, mit dem Heck zur Promenade festgemacht sitzen wir im Cockpit und beobachten die Menschen auf der Promenade und in den Restaurants.

Sonntag, der 1. Juni: Das Promenadenkino lassen wir uns nicht entgehen

Nein heute fahren wir nicht weiter, dafür ist das Promenaden- und Hafenkino einfach zu schön. Dicke, dünne, große, kleine Menschen, Junge und Alte, die Einen mit Flip-Flops und die Anderen mit Bergwanderschuhen gehen, marschieren oder promenieren an unserem Logenplatz vorbei. Um die Mittagszeit legen einige Sonntagsfahrer mit ihrem Boot für einen Tagesausflug am Kai an. Natürlich geht auch bei uns manchmal was beim Anlegemanöver daneben, aber so tollpatschig haben wir uns noch nie angestellt.

Montag, der 2. Juni: Wegen Windmangel in La Ciotat angelegt

Liegeplatz mit Blick auf la Ciotat

Zum Frühstück war es windstill, obwohl der Wetterbericht, sonnig und Wind aus Nordwest mit 4 Beaufort vorhersagt. Unschlüssig, was unser Tagesziel wird, legen wir am Morgen ab. Nach einer Stunde Motorfahrt kommt endlich leichter Segelwind auf. Der leider am Cap de l' Aigle auch wieder dahinschwindet. Somit sind wir am Adler-Cap nach Backbord abgebogen und haben eine halbe Stunde später in la Ciotat angelegt. Natürlich genau beim Anlegemanöver beginnt es mit den angekündigten 4 Windstärken zu wehen und beim hantieren mit der schweren Mooring-Leine habe ich mir die ersten Blessuren und Schnitte dieser Reise an den Händen zugezogen.

Dienstag, der 3. Juni: Ile de Porquerolles, Plage d' Argent

Ile de Porquerolles, Plage d' Argent

Obwohl auch für heute Meteo France Wind aus Nordwest mit 3-5 Windstärken vorhersagt, ist es den ganzen Tag über sehr schwachwindig und wir fahren mit Motorkraft weiter in östliche Richtung. Nur zur Mittagszeit kommt etwas Wind auf und wir können sagenhafte 90 Minuten segeln, bevor der Wind erneut zusammenbricht. Und so mussten wir den restlichen Weg bis zur Ile de Porquerolles wie gehabt mit Motorkraft fahren. Nach 29 Seemeilen, davon 5sm gesegelt, fällt unser Anker vor dem Plage d' Argent.

 

Mittwoch, der 4. Juni: Wandertag auf der Ile de Porquerolles

Heute soll es wolkig sein und zum Nachmittag kann es auch ein paar Tropfen Regen geben, das ist genau das richtige Wetter für eine Wanderung auf der Ile de Porquerolles. Schließlich braucht unser Bordhund Charlie etwas Bewegung, sonst ist er am Abend nicht richtig müde. Also gönnen wir uns einen müden Bordhund und wählen den 11km langen Rundkurs "du Couchant". Die mediterranen Wälder sind ein wunderschönes Wandergebiet und der Weg führt auch über einen kleinen 68m hohen Pass. Damit wir für die vierstündige Wanderung das Boot beruhigt verlassen können, sind wir am Morgen in den nahegelegenen Hafen gefahren.

Donnerstag bis Freitag, der 5. und 6. Juni: Badetage am Strand Notre Dame

Nach der gestrigen Wanderung wäre ein Badetag recht angenehm und so verlassen wir am Morgen den Hafen der Ile de Porquerolles und ankern vor dem Strand Notre Dame. Aus einem Badetag wurden dann letzten Endes fünf Tage. Nach einem durchgängig sonnigen Donnerstag zog an Freitag eine schwache Schlechtwetterfront über uns hinweg. Es war zeitweise bewölkt und die Windböen mit 5-6 Windstärken haben uns vom Vormittag bis in die Abendstunden genervt. Unsere Stimmung wurde auch nur teilweise von der Wettervorhersage für die kommenden Tage aufgeheitert. Auf der lachenden Seite verspricht er erneutes Badewetter, sonnig und heiß. Auf dem weinenden Auge ist der Wind sehr schwach und kommt für unser nächstes Reiseziel, Korsika, aus der falschen Richtung. Der Kurs Richtung Korsika ist grob Ost-Südost, genau die vorhergesagte Windrichtung. Schnell stand unser Entschluss fest, wir bleiben noch weitere Badetage hier und warten, bis der Wind auf westliche Richtungen dreht. Solche Badetage vergehen wie im Fluge, kaum haben wir in aller Ruhe im Cockpit gefrühstückt, sind ein wenig ums Boot geschwommen, haben etwas in einem Buch gelesen und haben zwischendurch eine Kleinigkeit gegessen, dann ist auch schon der Abend erreicht. Bei diesen ausgefüllten Tagen schaffen wir es kaum mit unserem Bordhund viermal zum Land zu fahren.

Samstag bis Montag, der 7. und 9. Juni: Pfingsten vor Anker am Plage Notre Dame

Bei der Entscheidung weitere Bade/Wartetage einzulegen, haben wir völlig vergessen, dass das Pfingstwochenende bevorsteht. Am Sonnabend konnten wir nur noch große Augen machen wie vor uns, hinter uns, rechts und links um unseren Ankerplatz, Segel- und Motorjachten ihren Anker absetzen. Immer wenn wir glaubten, da passt nun wirklich keiner mehr dazwischen, kommt einige Minuten später eine Jacht und ankert wie selbstverständlich in dem noch so kleinen Zwischenraum. Um 14 Uhr konnten wir mehr als 100 ankernde Boote zählen. Am folgenden Sonntag wurde es noch voller, für unser Empfinden unerträglich voll. Erst am Montag leerte sich die Bucht erkennbar und in der Nacht auf Dienstag waren es nur noch 25 Boote und Jachten. Sollen wir in den nächsten Jahren zu Pfingsten hier noch einmal unterwegs sein, dann werden wir mit Sicherheit einen Riesenbogen um die begehrten Ankerplätze der Ile de Porquerolles machen. Mit Befriedigung erfüllt hat uns der Dauertest des neuen Solarmoduls, selbst am wolkigen Freitag hat es unseren täglichen Energiebedarf hinlänglich geliefert und die Batterien aufgeladen. Nur in der Nacht haben Ankerlicht und Kühlbox am Akku genuckelt. Ich bin jedoch sicher, dass wir mit der Zeit unser Entsetzen über die übervolle Ankerbucht vergessen werden und die sonnigen Tage, das warme Meerwasser und die abendlichen Sonnenuntergänge in Erinnerung bleiben. Mit der optimalen Kameraeinstellung sind die Bilder der reinste Kitsch.

Dienstag, der 10. Juni: Ungeplante Fahrt nach le Lavandou

Der Wind ist weiterhin sehr schwach und kommt für die Überfahrt nach Korsika aus der falschen Richtung und so wollten wir heute die wenigen Seemeilen bis zur Nachbarinsel Cros fahren, denn morgen soll der Wind auf westliche Richtungen drehen. Nach dem aufholen des Ankers noch ein paar Hundert Meter mit Motorkraft aus der Bucht gefahren und dann die Segel gesetzt. So ein Mist, was ist denn das schon wieder - das Vorsegel lässt sich trotz mehrmaliger Versuche nicht ausrollen. Auf dem ersten Blick ist weder am Topwirbel noch an der Trommel irgendeine Ursache zu erkennen. So können wir unmöglich nach Korsika übersetzen, das muss zuvor behoben sein. Vor die Wahl gestellt zurück in die Ankerbucht, nach Cros oder in die Häfen von Porquerolles bzw. le Lavandou zu fahren, haben wir uns für le Lavandou entschieden. Nur für den Fall, dass wir das Problem nicht selber beheben können, gibt es im Hafen eine Werft. Obwohl der Wind mit 3-4 Windstärken ausreichend war, hat sich die Fahrt ellenlang gezogen. Mit dem Großsegel gegen den Wind kreuzen, das zieht sich.

Im Hafen von le Lavandou

Der Hafen von le Lavandou hat uns nicht gefallen. Zum Ersten wurde uns ein zu kleiner Platz am E-Steg zugewiesen. Die Gasse zwischen dem D- und E-Steg war mit maximal 15m freiem Wasser zu schmal, um bei 18 kn Seitenwind sicher zu manövrieren. Nur mit Hilfe der Leinen und vorwärts konnten wir uns in die zu schmale Lücke quetschen. Zum Anderen waren die alten Duschen im Gebäude der Capitainerie - na ja kein weiterer Kommentar. Wie an den Vortagen wurde es am Abend fast windstill und wir konnten unsere Genua von der Aufrollanlage nehmen und alle Teile gründlich untersuchen. Es war kein Schaden erkennbar. Nachdem die Rollanlage neu eingefettet und die Genua erneut aufgezogen war, haben wir sie zum Test dreimal problemlos aus- und aufgerollt. Wenn morgen der Wind noch passt, können wir nach Korsika fahren.

Mittwoch - Donnerstag, der 11. und 12. Juni: Kurs Calvi

Der vorhergesagte Wind sollte passen, der Mittwochvormittag ist noch windstill aber ab Mittag soll es 2-3 Windstärken stellenweise sogar 4 Beaufort aus Nord-Nordwest geben. Bei einer Entfernung von 115 sm bis Calvi und mit einem Wind von 3 Beaufort schaffen wir ca. 4-5 Seemeilen pro Stunde. Was Pi mal Daumen eine Reisezeit von 24 Stunden bedeutet. Damit können wir uns mit dem Aufbruch am Morgen Zeit lassen, wenn wir nach 11 Uhr starten, werden wir anderentags zur Mittagszeit Calvi erreichen. Abgelegt haben wir noch bei totaler Flaute und sind die ersten 10 Seemeilen mit Motorkraft gefahren. Auf der Höhe der hyèrischen Inseln setzte endlich der vorhergesagte Westwind ein und wir können unsere Segel setzen. Als der Wind ausreichte um mit 5 1/2 kn unserem Ziel entgegen zu segeln hörten wir auf Kanal 16 irgendwas von einem Bateau mit in unverständlich und französisch gebabbelten Längen- und Breitengrad. Könnte unsere Position sein oder auch nicht, aber warum sollte irgendjemand was von uns wollen. Also zweimal mit den Achseln gezuckt und weitergefahren. Es dauerte gerade mal 15 Minuten da hörten wir hinter uns ein Motorboot und weitere 10 Minuten später hat es uns eingeholt. Es war die französische Marine, die uns auffordert für die nächsten 7 Seemeilen Kurs 90 Grad zu steuern. Unser eigentlicher Kurs war 105 Grad und nach den 7 Seemeilen betrug unsere Abweichung von der direkten Kurslinie gerade mal vier Seemeilen. Die Frage, ob sich dafür der Aufwand gelohnt hat, schätzungsweise 12 Seemeilen aufs Meer hinauszufahren, uns den neuen Kurs mitzuteilen um anschließend wieder zurück zu fahren, ist wahrscheinlich für alle Militärs zu pragmatisch. Das war nun schon unser zweiter Kontakt mit der Marine im Bereich von Toulon und der Ile du Levant. Sehr unheimlich war bis zum Sonnenuntergang der Kanonendonner hinter uns, 2-4 mal pro Stunde donnerte Kanonenfeuer über das Meer. Es ist erstaunlich wie weit der Kanonendonner über das Wasser schallt, sehr viel weiter als an Land.

Delfine umkreisen uns

Ansonsten verlief die weitere Fahrt unspektakulär, die Wellen waren fußhoch, der Wind konstant und nach Einbruch der Dämmerung kreuzten wir die Schifffahrtsroute Gibraltar-Genua/Livorno. Gegen 3 Uhr und um 7 Uhr durchfuhren wir ein Windloch und mussten für 2 bzw. eine Stunde unseren Motor einspannen bevor wir erneut die Segel setzten konnten. Durch den Vollmond waren in der Nacht kaum Sterne zu sehen. Zur Entschädigung hatten wir 20 Seemeilen vor Korsika den ersten Delfin-Besuch. Eine große Gruppe Delfine hat unseren Weg gekreuzt und ein neugieriger Delfin ist in nur 3 Meter Abstand seitlich vorbeigezogenen. Auf den letzten 4 Seemeilen nahm der Wind kräftig zu und wir rauschen mit fast 7 kn dem Hafen von Calvi entgegen. Nach genau 24 Stunden und 10 Minuten haben wir anlegt. Einen besonderen Dank auf der Überfahrt gebührt Heinrich, ohne Schlaf hat er fast die ganze Zeit gesteuert. Zur Erklärung ist zu sagen, dass wir unseren Autopiloten den Namen Heinrich gegeben haben. Wir finden es viel schöner zu sagen: "Heinrich steuert 105 Grad" als: "der Autopilot steuert im Windfahnen-Modus 95 Grad am Wind". Auch wenn jeder in der Nacht ein paar Stunden geschlafen hatte, haben wir als Erstes bis zum Donnerstagnachmittag den fehlenden Schlaf nachgeholt, bevor wir bei brütender Hitze fit für den Stadtrundgang waren. Calvi ist eine muntere und rege Stadt mit einem besonderen Charme. Ebenso wie einige andere Städte in Spanien und Italien hat Calvi den Anspruch der Geburtsort von Kolumbus zu sein. Das Geburtshaus in der Oberstadt haben wir nicht gefunden. Erst am Abend wurde die drückende Hitze erträglich und wir beobachteten bei einem Glas Wein im Cockpit sitzend die Urlauber auf der Promenade.

Freitag der 13. Juni: Ab in den Süden von Korsika

Der Golf von Calvi mit Schneeresten auf den Bergen im Hintergrund

Das schöne beständige Hochdruckwetter der letzten neun Tage soll am Wochenende mit Gewitter und Regen Abschied nehmen, so sagt es die Wetterprognose. Nur südlich der Mitte von Korsika soll es nicht ganz so heftig kommen. Wenngleich wir gerne noch einen Tag länger geblieben wären, denn wer legt schon am Freitag den 13ten ab, haben wir am Mittag Calvi verlassen und die Ankerbucht vor der kleinen Ortschaft Galeria angesteuert.

Ankerplatz vor der kleinen Ortschaft Galeria

Der direkte Seeweg beträgt 14 sm, aber wir mussten gegen den Wind kreuzen und legten dadurch 22 sm zurück. Das bestätigt meine Daumenregel, unsere Bumble-Bee ist mit ihrem Flachkiel und den Rollsegeln kein Meister im Kreuzen und der Weg verlängert sich dadurch um etwa 50%. Um 17 Uhr erreichten wir den Golfe de Galeria, er hat sehr ausgedehnte Seegrasfelder und wir mussten etwas suchen, bis wir einen ausreichend großen Sandbereich für unseren Anker gefunden haben. Das abgelegene Galeria besitzt einen ehrlichen und bescheiden Tourismus ohne Abzockerei. Eine Handvoll Restaurants wenige kleine Hotels und Ferienunterkünfte, obwohl schon im 6. Jahrhundert v. Chr. die Phöniker hier eine Handelsniederlassung gründeten.

Samstag, der 14. Juni: Girolata, von vielen als der malerischste Ankerplatz bezeichnet

Die Schlechtwetter Prognose hat sich sogar noch verschlimmert, für die nächsten 5 Tage verkündet der Wetterbericht zeitweise Regen, Gewitter und starken Wind aus den nördlichen Sektoren. Da erscheint uns die sehr geschützte und nach Süden offene Bucht von Giolata erheblich geborgener als der 1,5 sm breite Golfe de Galeria. Demzufolge heben wir am Morgen unseren Anker und steuern bei sehr schwachem Wind unter Motorkraft Girolata an. Im Törnführer wird Girolata besonders gepriesen und behauptet, dass viele es als den malerischsten Ankerplatz Korsikas bezeichnen. Ob es der malerischste Ankerplatz ist, können wir noch nicht bewerten. Aber schon die Steilküste vor Girolata ist mit ihren roten Felsen, den grünen Bergkuppen und das unendlich tief blaue Meer unbeschreiblich schön. Obwohl Girolata nur von See und über einen alten Maultierpfad zu erreichen ist, herrscht reger Betrieb. Wanderer mit voller Ausrüstung und Tagesgäste sitzen am Strand und in den Tavernen. Erst am Abend bleiben die wenigen Bewohner und die Jachtbesatzungen für sich.

Sonntag bis Montag, der 15. und 16. Juni: Gewitter und Regen

Jeden Tag und besonders in den Nächten ziehen Gewitter über uns hinweg. Mal kommt das Gewitter vom Meer und zieht aufs Land und das nächste zieht vom Land aufs Meer hinaus. Unser Bordhund kommt kaum zu seinem Schlaf, denn er hat es mit Gewitter nicht so sehr. Wenn es donnert, beginnt er am ganzen Körper vor Ängstlichkeit zu zittern und will nur noch wegrennen und sich verkriechen, was auf unserer Bumble-Bee nicht so einfach ist. Er versteht auch nicht, dass wir die geschützte Bucht bewusst ausgesucht hatten, um hier im Schutz der Berge die Gewittertage auszuharren. Unabhängig davon gab es viele wolkenlose Abschnitte  und wir konnten an jedem Tag eine ausgedehnte Wanderung unternehmen. Girolata liegt am Fernwanderweg Mare e Monti, der im südlich gelegenen Cargèse beginnt und über Porto, Girolata, Galeria nach Calenzana bei Calvi führt. Am ersten Tag sind wir den Wanderweg nach Norden (Galeria) gewandert und am zweiten Tag nach Süden (Cargèse). An jedem Tag haben wir nach zwei Stunden eine Verschnaufpause eingelegt und sind anschließend den gleichen Weg zurückgegangen. Es ist ein wunderschöner Trail, der mal durch die freie Macchie und mal durch niedrige Waldbereiche führt. Die Macchie ist eine immergrüne Gebüschformation der mediterranen Zone und bedeckt weite Bereiche der Inseln Korsika und Sardinien. Die Pflanzenformation der Macchie ist charakteristisch für Gebiete mit mediterranem Klima und wenn die Sonne über der Macchie steht, verströmt sie einen betörenden und unverkennbaren Duft. Spätestens im nächsten Leben müssen wir unbedingt den gesamten Trail wandern.

Dienstag bis Mittwoch, der 17. und 18. Juni: Cargèse, sind wir denn in Griechenland?

Nach drei Tagen in der gleichen Bucht kribbelt die Lust zur Weiterreise, obwohl es am Nachmittag erneut ein kleines Gewitterrisiko gibt. Noch in der Bucht von Girolata konnten wir die Segel setzen und sind bei über 10kn Wind über das tiefblaue Meer gebraust. Leider hielt der Wind nicht die ganze Strecke durch, schon nach 30 Minuten war der schöne Segelwind verschwunden und wir mussten die restliche Wegstrecke bis Cargèse mit Motorkraft zurücklegen. In Cargèse liegen die Segeljachten mit dem Bug zur Außenmole, die anderen Plätze sind überwiegend von kleinen Motorbooten und großen Schlauchbooten mit geringem Tiefgang belegt. Cargèse wird als griechische Stadt auf Korsika vermarktet, über einige Häuser wehen griechische Fahnen und in den Läden findet man aus Griechenland importierte Souvenirs. Auch hat Cargèse zwei gegenüberliegende Kirchen, auf der rechten Seite die römisch-katholische und auf der linken Seite die griechisch-orthodoxe Kirche, die uns besser gefallen hat. Das alles weil Cargèse 1774 von den Franzosen für die Nachkommen griechische Siedler gegründet wurde. So interessant, das wir hier zwei Tage liegen wollten ist die kleine Stadt nun auch nicht. Aber die Wettergötter haben uns eine zweite Nacht sehr nahegelegt. Hier in Cargèse ist das wohl kein geringerer als Zeus, Oberster griechischer Gott - Gott des Himmels, des Lichtes und des Blitzes. An beiden Tagen steigen am Vormittag dunkle Wolken auf und ab dem frühen Nachmittag beginnt es zu donnern und zu regnen. Am Mittwoch wurden die Wolken besonders bedrohlich und über dem Meer vor dem Cap de Feno konnten wir einen Zyklon beobachten. Wenn wir uns im sicheren Hafen liegend vorstellen, dass unser Weg nach Ajaccio am Cap de Feno vorbeiführt, dann war der zweite Hafentag eine sehr weise Entscheidung. Als Zeichen wie klein die Welt ist, liegt zeitgleich im Hafen die Segeljacht "Miles", mit der wir schon bei unserer Reise zum Mittelmeer im Kontakt standen. Wir wünschen der Miles und ihrer Besatzung noch eine schöne und sichere Reise, ihr Weg führt nach Norden und unser Kurs führt uns weiter in den Süden.

Donnerstag, der 19. Juni, Es kommt doch immer wieder anders als geplant

Für heute Nachmittag ist nur noch eine geringe Gewitterwarnung angesagt und wir bereiten uns und unsere Bumble-Bee auf die Weiterfahrt nach Ajaccio vor. Die Vorbereitung ist ein eingespielter wiederkehrender Ablauf. Mit Bordhund Charlie noch einmal an Land gehen, auf und unter Deck aufräumen und alles seefest befestigen und verstauen, Borddurchlässe schließen, Ziel und Route ins Navigationssystem eingeben, Maschine starten und Festmacher zum Ablegen vorbereiten. Als ich gerade den Motor starten wollte, klingelte unser Handy. Es ist unsere Tochter, die verkündete: Großmutter wurde um 5 Uhr ins Krankenhaus gebracht. Mehr Informationen hatte sie noch nicht. Damit war klar: Nix mit ablegen, wir warten hier bis wir Näheres erfahren. Zur Mittagszeit erhielten wir die erleichternde Nachricht: kein bedrohliches und kritisches Problem. Trotzdem beschlossen wir nach der Beratung mit der Familie, wir machen uns auf den Heimweg nach Port-Saint-Louis-du-Rhône. Da unsere Eltern die 80 Jahre weit überschritten haben, hatten wir diesen Fall schon einkalkuliert aber auch gleichzeitig wieder verdrängt. Nun gut, so ist es und wir nutzten den weiteren Tag für Einkäufe und hatten auch noch Zeit für eine ausgedehnte Wanderung entlang der Küste.

Freitag, der 20. Juni: Wir sind wieder in der paradiesischsten Bucht der Reise

Heute klingelte kein Handy bei "Klar zum Ablege-Ablauf" und wir lösten um 9 Uhr die Leinen nur das der Kurs nicht Richtung Ajaccio, sondern in Richtung Calvi geplant ist. Das genaue Ziel ist für heute nicht sehr wichtig. Wir brauchen nur einen guten Platz um auf günstige Bedingungen für die Überfahrt nach Porquerolles zu warten. Günstige Bedingungen sind keine raue See, 3-4 Beaufort Wind, der von der Seite oder von hinten weht. Dabei ist es gleich ob wir in Calvi, Galeria oder Girolata ankommen, von den drei Plätzen beträgt die Entfernung nach Porquerolles ungefähr 115sm. Für heute sind die Bedingungen noch nicht günstig, die Wellenhöhe soll um 1-1,5m betragen, der Wind mit 4-6 Windstärken aus West wehen und Porquerolles liegt fast in Windrichtung auf West-Nordwest. Die Fahrt beginnt mit einem leichten Segelwind, nach 5 Seemeilen frischt es auf die gemeldeten 4-6 Bft auf. Mit achterlichem Wind und vollem Tuch schäumen wir über die See. Nachdem Porto passiert und Girolata fast querab liegt, beträgt die Windgeschwindigkeit durchgängig mehr als 20kn ~ 6 Windstärken. Somit hat der Wind schnell unser heutiges Tagesziel festgelegt, wir werden nach Girolata fahren. Nun bilden die Orte Porto und Girolata eine breite, von Bergen umgebene und sich verengende Bucht. Dies bewirkt einen Düseneffekt, der die Windstärke weiter erhöht. Nachdem das Vorsegel komplett eingerollt war, schossen wir bei 6-7 Bft Wind mit Rumpfgeschwindigkeit auf Girolata zu. Unangenehm wurde die Fahrt, erst als wir zum Einrollen des Großsegels mit Motorkraft den Bug in den Wind drehten. Das war ein Geschaukel in den Wellen, da wurden sogar die Fliegen in der Kabine seekrank und in unseren Schränken flog der Inhalt kreuz und quer durcheinander. Die Reste vom Frühstück-Baguette lagen auf dem Boden, so mögen wir unser Baguette nicht mehr und verfüttern es an die Fische. Wie an jedem Ankerplatz stürzt sich sofort ein Schwarm Brandbrassen auf das Brot.

Samstag, der 21. Juni: Zum Korsika-Abschied noch einen letzten Badetag

Das Versorgungsboot hat angelegt

Zugegeben die heutige Seewetter-Prognose passt zu dem was wir als günstige Bedingungen definiert haben. Aber wenn es für Morgen noch besser aussieht, können wir noch einen Badetag hier genießen. Zumal Girolata ein richtig kleines Paradies ist. Landschaftlich großartig gelegen, nur über das Meer zu erreichen und wenn am Abend die Tagesgäste die Bucht verlassen haben, sitzen die Besatzungen der 20-25 Jachten mit den Bewohnern in den Strandlokalen und schauen das Frankreich-Spiel der Fußball WM. Die WM zeigt dabei ihr menschenverbindendes Potenzial, wenn selbst Korsen zu patriotischen Franzosen werden. Tagsüber steht eine Kuh am Strand und säugt ihr Kalb, der Bulle steht dahinter und passt auf das kein Rivale seiner Kuh zu nahe kommt. Mit Sonnenaufgang beginnen die Hähne zu krähen und als heute Vormittag das Versorgungsboot angelegt hatte, kamen alle Bewohner und haben gemeinsam die Waren vom Versorgungsboot auf die Quads geladen. Quads sind die modernen Transportmittel und ersetzen Esel und Maultier vergangener Zeiten. Für uns ist das hier ein kleines Idyll mitten im hektischen Europa.

Sonntag - Montag der 22. und 23. Juni: Rückreise nach Porquerolles

Kurs Sonnenuntergang

Eine verlässliche Windvorhersage scheint für die Meteorologen nicht ganz so einfach zu sein, was gestern noch gut erschien, ist heute nicht mehr optimal für unsere 115sm lange Fahrt zur Ile de Porquerolles. Ein zu starker Wind wird allerdings nicht das Problem sein, eher ein Mangel an Luftbewegungen. Auch wenn wir nach aktueller Prognose die überwiegende Zeit mit Motorkraft fahren müssen, rechnen wir auch bei der Rückfahrt mit 20-24 Stunden Fahrtzeit. Wie schon auf dem Weg nach Korsika haben wir um 11 Uhr abgelegt. Im Bereich der korsischen Küste hatten wir anfangs sogar sehr guten Wind und konnten die ersten 13sm mit rasanter Fahrt segeln, bevor der Wind jäh zusammenbrach und der restliche Tag vom Brummen des Motors erfüllt war. Die folgende Nacht war vollkommen anders als die Nacht der Hinreise. Am 11. Juni stand die gesamte Nacht ein heller Vollmond am Himmel, heute ist die Nacht pechschwarz. Ein schmaler zunehmender Mond ist erst in der Morgendämmerung aufgegangen. Somit konnten wir den Sternenhimmel die ganze Nacht über bewundern und haben die Sternzeichen vor lauter Sternen kaum erkannt. Überdies waren wir auf dieser Fahrt nicht ganz alleine auf unserem Kurs unterwegs. Die französische Segeljacht "Sachem" mit Nicole und Roland ist zwei Stunden nach uns gestartet und die halbe Nacht über haben wir am Backbord-Horizont die grüne Buglaterne und das weiße Dampferlicht von drei Jachten gesehen. Auf unserer zweiten Nachtfahrt haben wir die Wachen konsequenter eingehalten und die Wachwechsel erfahrener durchgeführt. Alle zwei Stunden haben wir uns in der Wache abgewechselt und bei der Übergabe alle Informationen erklärt, wo Positionslichter am Horizont zu erkennen sind, in welche Richtung die zugehörigen Schiffe fahren, wie sich die Peilung zu diesen Schiffen verändert und welche AIS-Informationen zu den Schiffen gehören. Durch die konsequenten Wachzeiten konnte jeder in seiner Freiwache etwas Schlaf finden. Bei zukünftigen Nachtfahrten müssen wir aber noch die für uns optimale Wachzeit ermitteln, zwei Stunden sind für einen erholsamen Schlaf der Freiwache zu kurz, aber für die Wache sehr gut durchzuhalten. Längere Wachzeiten können schnell für die Wache zu lang werden, denn auf der Wache haben wir im Cockpit gesessen und da wird alles in der Nacht unangenehm klamm und feucht. Auch wenn wir gefallen an den Nachtfahrten finden, so findet unser Bordhund Charlie so lange Fahrten nicht so toll, er tut sich unendlich schwer in der Benutzung der zum Hundeklo ernannten Katzenschüssel, dabei haben wir ihm so einen schönen Pinkelbaum aus einem dicken Ast gebaut. Er findet ein Katzenklo ist mit seiner Hundeehre überhaupt nicht vereinbar. Wir werden sein Katzenklo noch einmal mit nach Hause nehmen und versuchen durch andere Hundedüfte das Klo für ihn interessanter zu gestalten. Mit Beginn der Morgendämmerung gab es einen stetig zunehmenden Wind. Als wir mehr als 8kn Wind hatten, setzten wir die Segel. Bis zum Sonnenaufgang wurde aus schlappen 2-3 Windstärken ein kräftiger Ostwind von 5-6 Bft, der uns mit rasanter Fahrt Richtung Porquerolles schob. Nach 22 Stunden und 116sm fiel kurz vor 9 Uhr unser Anker vor dem Strand Plage de Notre Dame.

Dienstag bis Donnerstag, der 24. bis 26. Juni: Erwerb der Robe Nr. 6325

Das heutige Ziel ist das nur wenige Seemeilen entfernte Saint-Mandrier-sur-Mer, es liegt in der Innenreede vor Toulon und ist ein idealer Ausgangspunkt für eine Toulon-Besichtigung. Hier wollen wir noch ein paar Tage verbringen und auf einen günstigen Wind für die Fahrt nach Port-Saint-Louis-du-Rhône warten. Der Dienstag ist vorerst der letzte Tag mit leichtem Ostwind, bei den Azoren hat sich mit 1030 hPa ein kräftiges Hochdruckgebiet aufgebaut und über Korsika entwickelt sich ein Tiefdruckgebiet. Diese Hoch-Tief Konstellation führt zu Mistral, der nach gegenwärtiger Vorhersage 4-6Bft Gegenwind sowie von vorne anrollende Wellen mit 1-1,5m Höhe bedeutet. Weder gegen den Mistral zu segeln noch mit Motorkraft zu bolzen, hat für uns irgendetwas mit Vergnügen zu tun und so warten wir hier auf bessere Bedingungen. Den Mittwoch nutzten wir für den geplanten Rundgang in Toulon. Halbstündlich verkehrt ein Boot des öffentlichen Nahverkehrs von Saint-Mandrier-sur-Mer in das Stadtzentrum, der Fahrpreis von 2€ pro Person und Fahrt ist überaus günstig. Obwohl Toulon von der Marine dominiert ist und eine lange militärische Geschichte besitzt, schon der Sonnenkönig "Ludwig XIV" machte Toulon zum führenden Kriegshafen an der französischen Mittelmeerküste, gefällt uns Toulon als lebendige und geschäftstüchtige Stadt sehr. Einen Katzensprung vom Fähranleger entfernt und von Hochhäusern verborgen liegt die Altstadt mit ihren schönen Plätzen, kleinen Geschäften und exotischen Restaurants. Im Schaufenster eines Geschäftes für Hochzeitsgarderobe sahen wir das ideale Brautmutter-Kleid für die bevorstehende Hochzeit unserer Tochter. Nach Anprobe und kleinen Sofortänderungen marschierte meine Frau mit ihrer neuen Robe Nr. 6325 freudestrahlend aus dem Geschäft. Der tägliche Markt auf der Cour Lafayette bietet ein riesiges Angebot an Obst und Gemüse und dem Angebot der traditionellen Bäckereien ist kaum zu widerstehen.

Freitag und Samstag, der 27. und 28. Juni: Nachtfahrt nach Port-Saint-Louis-du-Rhône

Erst in der Nacht von Freitag auf Samstag soll der Wind abnehmen und von West über Süd nach Südwest drehen, bevor es am Samstag mit 6-8 Bft aus Süden stürmen soll. Damit ist die Nacht ein passendes Windfenster, um zurück nach Port-Saint-Louis-du-Rhône zu fahren. Das sind annähernd 60sm und bei unserer mittleren Reisegeschwindigkeit von 5kn über den Daumen gepeilt 12 Stunden Fahrt. Demzufolge haben wir noch den ganzen Tag im Hafen und in Saint-Mandrier-sur-Mer verbracht. Mit Spaziergängen, Einkäufen und im Cockpit in der Sonne sitzen und lesen lässt sich leicht ein Tag vertrödeln. Erst am Abend um 7 Uhr haben wir abgelegt damit wir den Golfe de Fos mit den vielen Frachtschiffen nach Sonnenaufgang erreichen. Leider war der Wind nicht so wie erhofft. Anfangs hatten wir guten Segelwind nur aus der falschen Richtung. Nicht wie vorhergesagt aus Süden, sondern er kam weiterhin aus Westen und wir sind die ersten 13sm gegen den Wind gekreuzt. Mit Sonnenuntergang war dann auch der Wind eingeschlafen und erst gegen 4 Uhr in der Frühe erwachte ein stetig zunehmender Südwind, der zum segeln reichte. Ansonsten empfanden wir die Nachtfahrt im Abstand von ungefähr 6sm zur Küste etwas anspruchsvoller als die Nachtfahrten von und nach Korsika. Die vielen Lichter an der Küste sind irritierend und die Positionslichter der Schiffe sind erst viel später zu sehen. Als Wachplan haben wir diesmal eine Kombination aus 2 und 3 Stundenwachen probiert (20:00 - 23:00, 23:00 - 01:00, 01:00 - 03:00, 03:00 – 06:00). Bei unserer Zweimann-Besatzung empfanden wir diese Verteilung als recht angenehm und werden sie zukünftig beibehalten. Jeder kann 5 Stunden in der Nacht schlafen, der Erste hat in seiner Wache den Sonnenuntergang und die zwei Nachtstunden von 1:00 bis 3:00, der Zweite die Nachtstunden von 23:00 bis 01:00 und dann den Sonnenaufgang. Tagsüber wollen wir keinen festen Wachplan einhalten, da sorgen wir mit kurzen Absprachen, dass keiner zu kurz kommt. Eigentlich ist in einer Tag- oder Nachtwache nicht viel zu tun. Den Kurs halten und steuern ist Heinrichs (unser Autopilot) Aufgabe, die Wache gibt nur beim Kurswechsel den neuen Kurs ein und achtet auf andere Schiffe. Selbst der beim Autofahren gefährliche Sekundenschlaf ist gewöhnlich kein Problem. Wie geschätzt erreichten wir gegen 7:30 Uhr den Navy Service Kai und nach fünf Warterunden wurde auch ein Platz am Kai frei.

Sonntag, der 29. Juni: Wir fangen dann mal langsam mit Ausräumen an

Wir konnten gestern im Hafenbüro noch einen Krantermin für Montagvormittag ergattern, demzufolge müssen wir heute mit den Stilllegungsarbeiten beginnen. Besonders wichtig ist uns die Segel zu bergen, solange das Boot im Wasser liegt und der Wind nicht zu stark ist. Im Wasser fällt man bei einem Sturz schlimmstenfalls in das warme Hafenwasser. Steht das Boot an Land, landet man drei Meter tief auf der Erde und das ist nicht mehr lustig. Seit gestern Abend haben wir auch eine kanadische Jacht an unserer Seite liegen. Das liegen im Päckchen sind wir aus den holländischen Stadt- und Dorfhäfen gewohnt hier am Mittelmeer wird es seltener praktiziert. Es gibt nur einen kleinen Unterschied, wir bereiten unsere Jacht für die Ruhepause vor, die Kanadier machen ihr Boot zum Auslaufen klar.

Montag, der 30. Juni: Unsere Bumble-Bee steht an Land

Goodbye Bumble-Bee, bis zur nächsten Reise

Um 10:30 ging es gewohnt professionell, die Hubwagen-Mannschaft klopft ans Boot und 40 Minuten später steht unsere Bumble-Bee fest verkeilt auf ihrem Landplatz. Das Navy Service Gelände hat so seinen rustikalen französischen Charme, dafür kann man sein Boot selber am Platz reinigen und pflegen, einige Tage kostenlos am Kai liegen und bisher wurden wir sehr behutsam vom Land ins Wasser und umgekehrt transportiert. Der Nachmittag war dann mit den ungeliebten Tätigkeiten: Boot ausräumen, Taschen packen, Auto packen und Boot reinigen ausgefüllt. Für Morgen haben wir unsere Heimreise geplant.

Fazit der Reise

Seitdem wir nicht mehr aus nackter finanzieller Not einer täglichen Arbeit nachgehen, haben wir zu einer ruhigeren Art des Reisens gefunden. Wir lassen uns mehr treiben und leben an Bord. Dort wo es uns gefällt bleiben wir, und wenn es uns nicht mehr gefällt, fahren wir weiter. Ziele, die uns früher einmal wichtig waren, wie einen zuvor geplanten Wende- oder Endpunkt zu erreichen, sind uns heute nicht mehr so wichtig. Damit war es für uns eine großartige und wunderschöne Reise, auch wenn wir den im Winter geplanten Wendepunkt nicht erreicht haben. Das Erlebnis der Nachtfahrten war ein besonderes Highlight der Reise. Es ist uns leicht gefallen in der Nacht unterwegs zu sein und bei zukünftigen Reisen wollen wir Etappen von 10 und mehr Stunden primär über Nacht fahren. Auch unserem Bordhund fällt es leichter, vor der Abfahrt am Nachmittag oder Abend noch einmal an Land sein Geschäft zu erledigen. Er schläft dann in der Nacht und bis zum nächsten Morgen oder Vormittag kann er gut einhalten. Beim Experimentieren mit den Wachplänen entspricht eine Kombination aus 2 und 3 Stundenwachen (20:00 - 23:00, 23:00 - 01:00, 01:00 - 03:00, 03:00 – 06:00) unseren Bedürfnissen besonders gut.

Wie schon bei der Côte d'Azur Reise im Herbst 2013 wollen wir auch hier zum Ende des Reiseberichtes eine Liste der Liegegelder für unsere 10,45 m lange und 3,60 m breite Jacht mit zwei Personen im Juni 2014 präsentieren:

   Port Calvi 

51,00 €

   Port Cargese  

41,40 €

   Port du Lavandou

31,44 €

   Port de Girolata

25,80 €

   Port la Ciotat   

35,61 €

   Port Porquerolles

33,48 €
   Port Saint-Mandrier 40,10 €

Der Hafen der Ile de Frioul hat auch bei dieser Reise eine Sonderstellung. Bei Barzahlung gibt es einen dicken Abschlag, der ein gewisses Geschmäckle hinterlässt.

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© Rainer Klotz