Auf zum Mittelmeer, erster Teil:  von Lelystad bis Toul

Nach vielen Jahren segeln in Holland hat sich in uns der Wunsch nach warmem Wasser und viel mehr Sonne aufgestaut. Zugegeben, es gab auch in Holland warme und sonnige Tage. Aber für uns muss ein perfekter Segeltag drei Bedingungen erfüllen, er sollte sonnig und warm sein, guten Segelwind haben und arbeitsfrei sein. Mit diesen Bedingungen waren es dann nur wenigen Tage, eine oder oft auch zwei der Bedingungen passten nicht, wie so oft im Leben. Das soll sich ab 2013 grundlegend ändern. Seit Oktober 2012 hat für uns jede Woche sechs Samstage und einen Sonntag. Damit hat sich die dritte Bedingung erledigt, bleibt somit sonnig und warm sowie guter Segelwind übrig.

 

Mehr Sonne und Wärme wollen wir uns mit einer Überführung zum Mittelmeer erkaufen. Wie bisher oft erprobt, wollen wir für guten Segelwind dem verantwortlichen Meeres- oder Windgott: Neptun, Poseidon, Aiolos oder wer auch immer sich für das Seegebiet gerade zuständig fühlt, einen guten Schnaps vor jeder Fahrt spendieren. Damit hätten wir für jede Bedingung eine Lösung, packen wir es an!

Unsere Erlebnisse bei dem Abenteuer "Überführung unserer Bumble-Bee von Lelystad nach Port-Saint-Louis-du-Rhône" wollen wir an dieser Stelle erzählen.

Vorbereitung

Der erste Schritt erfolgte am 7. November mit dem Ende der Segelsaison 2012 in Lelystad. Unsere Bumble-Bee wird aus dem Wasser geholt. An Land angekommen wird als Erstes das Unterwasserschiff mit einem Hochdruckreiniger bearbeitet. Zurück bleibt ein wahres Schlachtfeld abgespritzter Muscheln. Am nächsten Vormittag wurde der Mast vom Boot gehoben. Wir haben das Boot leer geräumt und für den Winter klar gemacht. Jetzt ist erst einmal Winterpause.

 

So eine richtige Winterpause gab es dann doch nicht, dafür war die ToDo Liste viel zu lang. Angefangen mit: "Ausarbeitung der Strecke", "Einkäufe und Besorgungen" über "Boot reinigen und Antifouling streichen" bis zum "ins Wasser lassen und einräumen" hatten wir eine ellenlange Liste in der Winterpause abzuarbeiten, hier nur die wichtigsten Ergebnisse:

 

  • Geplante Strecke: Von Lelystad über das Ijsselmeer zur Vecht, weiter über den Amsterdam-Rijnkanaal und Waal zur Maas. Der Maas folgen wir durch Holland und Belgien bis Givet an der belgisch-französischen Grenze. In Frankreich wollen wir auf dem Canal de la Meuse (kanalisierte Maas) bis auf 260m über dem Meeresspiegel zu Berg fahren. Bei Toul wechseln wir für ein kleines Stück auf den Canal de la Marne au Rhin. Hier geht es in einer Schleusentreppe bis auf 210m zur Mosel hinab. Die kanalisierte Mosel führt uns dann wider hinauf zum Canal des Vosges. Er wird uns in seiner Scheitelhaltung mit 360m über die Wasserscheide führen und bei Corre in die Saône münden. Die Saône führt uns letztendlich in Lyon auf die Rhône. Kurz vor der Rhône-Mündung am Mittelmeer werden wir nach ca. 1600 Fluss- und Kanalkilometer bei Port-Saint-Louis-du-Rhône die letzte der 234 Schleusen passieren, die das Süßwasser der Flüsse und Kanäle vom Salzwasser des Mittelmeeres trennt.
  • Masttransport: Unseren 14 Meter langen Spargel wollen wir nicht auf unserem Boot liegend ständig im Weg haben, zumal er an Bug und Heck jeweils 1 ½ Meter überstehen würde. Für Mast und Baum haben wir einen LKW-Transport organisiert.
  • Hafenliegeplatz: Auch die Frage "wohin am Mittelmeer" haben wir geklärt. In Port-Saint-Louis-du-Rhône haben wir einen Landliegeplatz vom 1. Juli 2013 bis zum 30. Juni 2014 gebucht, danach schauen wir weiter. 
  • Einkäufe und Besorgungen: Obwohl wir in den vergangenen Jahren unsere Bumble-Bee systematisch für das Mittelmeer ausgerüstet hatten war die Liste der Besorgungen immer noch ellenlang. Angeführt wurde die Liste vom Autopiloten, einen neuen GPS-Seekartenplotter, elektronische Seekarten, Fluss- und Kanalkarten, eine teleskop IOR Boje und.. und.. und.. bis zum neuen Radarreflektor. Viele Teile haben wir bei den üblichen Jacht- und Bootausrüster gekauft und einige Teile konnten wir günstig bei eBay ersteigern.

Oh dieser Winter

Bei der Reiseplanung hatten wir schon damit gerechnet, dass irgendeine Wetterkapriole uns den Start vermiesen wird. Dabei hatten wir eher an Hochwasser gedacht. Es kam aber anders, ein nicht endender Winter verzögerte alle Arbeiten am Boot. Der März 2013 hat seinen Platz in der Klimageschichte eingenommen. In den letzten 50 Jahren gab es nur einen Märzmonat, der kälter war, und das war im Jahre 1987. Der März 2013 folgte einem Januar und Februar, die mit extrem wenig Sonnenschein ihre eigenen Negativ-Rekorde einstellten. So gab es nur ein kurzes Zeitfenster in der ersten Märzwoche, das wir zum Reinigen und Schleifen des Unterwasserschiffes nutzen konnten. Dabei fragte uns der Hafenmeister, wann wir zurück ins Wasser wollen. Voreilig vereinbarten wir den 5. April, ohne zu ahnen, was uns der Winter bis zum April bescheren wird.

Gereinigt und mit neuem Antifouling zurück ins Wasser

Nach Ostern am 2. April war keine weitere Verschiebung der Restarbeiten mit der "Es ist noch viel zu kalt"-Begründung möglich. Wir mussten nach Lelystad fahren und bei der Höchsttemperatur von 8 Grad mit eisigem Nordostwind unser Antifouling streichen.

 

Dann am 5. April war es so weit. Wie geplant wurde unsere Bumble-Bee gereinigt und mit neuem Antifouling zurück ins Wasser gefahren.

Durch Holland und Belgien

Freitag, der 12. April: Heute geht es los!

Einen Schnaps für die Götter

Gestern brachte uns unser Sohn Alexander nach Lelystad, der Tag war geprägt durch Einräumen und einem letzten Einkauf in der Bataviastadt. Als alles verstaut war lag unsere Bumble-Bee sehr tief im Wasser. Inklusive vollem Diesel und Frischwasser Tank haben wir eine gute Tonne geladen.

Heute nach dem Frühstück verabschiedete sich Alexander und wir stehen zusammen mit unserem Bordhund Charlie startbereit an Bord. Jetzt noch einen Schnaps den Göttern darbieten und wir können ablegen, bei der Kälte, 8 Grad Lufttemperatur, haben wir uns für Rum entschieden. Wie sich in den folgenden Tagen herausstellen wird, hat der für Holland zuständige Regen-Gott den Rum dankend entgegengenommen und uns täglichen Regen beschert.

Montag, der 15. April: Die ersten drei Etappen sind geschafft.

Die ersten drei Etappen sind geschafft und wir legen einen Ruhetag ein. Die vergangenen drei Tage können mit Pflichtübung, Vergnügen und Herausforderung mit täglichem Regen überschrieben werden.

Die "Pflicht-Etappe" führte am ersten Tag von Lelystad nach Muiden, 30 km am Ostufer des Markermeeres entlang. Außer, dass es saukalt war und über die Hälfte der Zeit geregnet hatte ist nicht viel zu sagen. Nach vier Stunden Fahrt haben wir im Hafen des "Königlich niederländischen Segel und Ruderverein" angelegt, dem Namen entsprechend fürstlich war auch das Liegegeld. Dafür werden wir am Tag und in der Nacht vom Muiderslot, eines der bedeutendsten Baudenkmäler der Niederlande, bewacht.

 

Der zweite Tag führte uns über die Vecht nach Maarssen. Die Vecht ist ein wunderschöner Fluss, der sich vom Markermeer nach Utrecht schlängelt. Am Ufer wechseln sich Abschnitte mit Hausbooten und repräsentativen Immobilien ab. In den typisch holländischen Städtchen müssen zahlreiche Hebebrücken geöffnet werden, das braucht Zeit und entschleunigt. In Maarssen kurz vor der Verbindungsschleuse zum Amsterdam-Rijnkanaal haben wir an einer Wiese angelegt, dieser Tag war die pure Lebensfreude.

 

Der dritte Tag war die Herausforderung, er führte uns über den Amsterdam-Rijnkanaal zum Rhein - in Holland als Waal benannt. Der Kanal ist eine Frachtschiff-Autobahn, schnurgerade, mit Spundwände, hoher Schiffsverkehr und alle Frachtschiffe sind mit Vollgas unterwegs. Nach dem Kanal sind wir noch 12 km in Strömungsrichtung auf dem Waal gefahren. Die Strömung schob uns mit zusätzlichen 4-5 km/h zum Waal-Maas Verbindungskanal bei St. Andries. Danach noch 3 km auf der Maas gegen die leichte Strömung zu Berg gefahren und die Herausforderung endete in der Marina "De Lithse Ham".

Donnerstag, der 18. April: Wir sind in Maastricht.

Maastricht zwischen der Wilhelminabrug und der St. Servaasbrug

Heute liegen wir in Maastricht an der Mauer zwischen der Wilhelminabrug und der St. Servaasbrug. Die vergangenen drei Tage hatte uns die Maas 170km zu Berg getragen, dabei wurden wir von 8 Schleusen circa 44m angehoben. Übernachtet hatten wir in Wanssum und in Roermond-Herten.

Wenn man die Vecht als einen sehr-sehr schönen Fluss charakterisiert, kann die Maas als ein schöner Fluss bewertet werden. Eine Flussfahrt auf der Maas ist sehr meditativ, man sitzt im Cockpit und links und rechts zieht das Ufer mit Wiesen, Bäumen, kleinen Siedlungen oder Städtchen im gemäßigtem Jogger-Trab am Boot vorbei. Die Maas hat über weite Bereiche naturbelassene Ufer mit Wasservögel, die jetzt im April in der Balz sind. Unterbrochen wird die Harmonie nur von den Kabelfähren und von den Frachtschiffen.

Die Kabelfähren der Maas

Die Kabelfähren der Maas in Holland sind etwas ganz besonders. Bei einer Kabelfähre liegt ein Stahlseil im Fluss und die Fähre zieht sich an dieser Stahltrosse zum anderen Ufer. Das bedeutet, vor der fahrenden Fähre wird die Stahltrosse vom Flussgrund angehoben und hinter der Fähre sinkt sie wieder zum Grund hinab. Das wäre alles kein Problem, wenn die Fährmänner nicht immer als Gaudi kurz vor einem herannahenden Sportboot die Flussseite wechseln. Für uns bedeutet das ab und an "mit volle Kraft zurück" zu bremsen, um hinter der Fähre zu passieren. Der Verkehr der Frachtschiffe war beachtlich und hatte fast schon Rhein-Niveau. Einziger Unterschied, die Maas-Schiffe sind viel kleiner als die Rhein-Schiffe, aber dafür teilweise von anno dazumal. Moderne Schiffe haben ein besseres Strömungsverhalten und erzeugen kaum Wellen. Alte Pötte in voller Fahrt haben uns recht heftig geschaukelt. Normalerweise hat die Maas kaum Strömung. In den vergangenen Tagen hatten wir bis Venlo eine Gegenströmung von 1-2km/h und ab Venlo 2-3km/h. Das bedeutet für uns, wir kommen bei geruhsamer Marschfahrt um die 9km/h gegen die Strömung vorwärts.

 

Sonst wäre noch zu berichten, dass wir seit zwei Nächten keine Heizung in Betrieb haben und es nachmittags 20 Grad Celsius im Cockpit war. Nur der Wind war sehr heftig. Heute auf dem Julianakanaal haben wir mit dem Handwindmesser 4-5 Bft gemessen. Vom Ufer wehte uns ständig der Staub in die Augen, und wenn wir vor den Schleusen warten drückt, der Wind immer den Bug zur Seite.

Freitag, der 19. April: Liege, erste Übernachtung in Belgien.

Marktplatz in Maastricht

Wir haben Maastricht heute wieder verlassen und unsere Fahrt Richtung Belgien fortgesetzt. Als Stadt hat uns Maastricht sehr gefallen. Es ist eine quirlige Universitätsstadt mit vielen jungen Menschen und noch mehr Fahrräder. Das schaukeln am Liegeplatz ohne jegliche Versorgung, nicht einmal eine Abfalltonne gab es, bewog uns zur schnellen Weiterreise. Wir können Maastricht als Ausflugsziel empfehlen, sehr sehenswert. Nur in der gleichen Pizzeria werden wir absolut nie mehr einkehren. Wir hatten die teuerste Pizza unseres Lebens (15 € für eine 4 Stragioni) und der Geschmack lag bei einer 99 Cent Tiefkühlpizza.

Schleuse Lanaye die Grenze zu Belgien

Kurz hinter Maastricht erreichten wir mit der Schleuse Lanaye die Grenze zu Belgien. Diese Schleuse hob uns 14m hinauf zum Albert-Kanal, das war der bislang höchste Schleusenhub. Von unten gesehen sind die nassen und mit schleimigen Algen bewachsenen Betonwände erdrückend, 14m ähneln einem Haus mit 4 Etagen ohne Fensteröffnung. Da hingegen machen die Schwimmpoller die Schleuse sehr bequem, wie im Aufzug geht es vom Erdgeschoss zur Dachterrasse. Oben angekommen mussten wir mit den Bootspapieren zum Schleusenwärter. Drei Mann waren im Schleusenwärter-Büro beim Mittagstisch. Somit durfte der Jüngste im 2-Finger-Adler-System die Daten unserer Bumble-Bee und unser Reiseziel in einen PC eintippen. Abschließend erhielten wir die kostenlose Freigabe über den Canal de Lanaye, den Canal Albert und der Meuse 132 km durch Belgien zu reisen.

Fahrt durch Liege

Zur ersten Übernachtung in Belgien haben wir in Liege angelegt. Beim Stadtrundgang hat uns Liege nicht gefallen und wir wollen so schnell wie möglich Richtung Huy weiterfahren. Liege (Lüttich) ist eine Metropole mit starkem Straßenverkehr, andauernd durch die Häuserschluchten heulenden Ambulanzen und wenig ansehnliche Nachkriegsbauten.

Samstag, der 20. April: Augen zu und durch bis Huy.

Maasbecken mit Industrieanlage und versunkenem Frachtschiff

Im Übrigen ist das Maasbecken vor und hinter Liege von der Schwerindustrie gesäumt. Stillgelegte und produktive Industrieanlagen wechseln sich am linken und rechten Ufer ab, etliche Abwasserrohre bilden unschöne Öffnungen in der trostlosen Beton-Flussrinne. Vor und hinter Liege kann man das Maastal nur als ausgesprochen hässlich bezeichnen und wir hatten trotz Sonnenschein eine "Augen zu und durch Fahrt" bis Huy. Liege wird als Wiege der kontinentaleuropäischen Kohle- und Stahlindustrie bezeichnet. Bereits 1720 hatte die erste Dampfmaschine auf dem europäischen Festland in einer Kohlemine nahe Liege ihren Betrieb aufgenommen. Von hier aus breitete sich die Industrialisierung ab Anfang des 19. Jahrhunderts über den gesamten Kontinent aus. Das bedeutet aber auch, dass unschöne Industrieanlagen, mit versunkenem Frachtschiff davor, das Ufer der Maas säumen.

Fahrt durch Huy am Morgen

Vor Huy endet die Aneinanderreihung der Stahlindustriebetriebe und es gibt nur noch vereinzelte Industrieanlagen am Ufer. Huy ist eine schöne kleine Stadt mit engen Gassen und alten Bauwerken, die von einem seit 1976 unter Denkmalschutz stehenden Zitadellenkomplex überragt wird. Der "Grand Place" hat einen besonderen Charme und ladet zum Verweilen in den Kaffees ein. Hier gefällt es uns bedeutend besser und wir werden zwei Nächte bleiben.

Montag, der 22. April: Am Nachmittag zur Zitadelle von Namur

Blick auf das Maastal bei Namur

Ab Huy hat sich das Tal der Maas, auf französisch Meuse genannt, gewandelt. Es ist ein wenig mit der Mosel vergleichbar nur ohne Weinberge. Sonst ist inklusive der Eisenbahn alles ähnlich. Die Meuse hat sich in weiten Bögen ihr Flussbett in das Gestein gegraben, und trägt uns weiter zur belgisch-französischen Grenze. Mit jedem Kilometer Richtung Grenze wird das Tal schöner. Die heutige Etappe beenden wir in Namur. Wir haben direkt gegenüber der mächtigen Zitadelle aus dem 17. Jahrhundert angelegt. Am Nachmittag haben wir uns über steile Wege hinauf zur Zitadelle gequält, sind astrein ins Schwitzen gekommen. Denn nachdem wir am Vormittag auf der Fahrt so-was gefrorenen haben, ist es am Nachmittag sonnig und warm geworden. Auch haben wir seit Huy jede Nacht die Diesel-Heizung neuerlich eingeschaltet, eine Außentemperatur von unter 6 Grad Celsius am Morgen ist wirklich nicht erbaulich.

Dienstag, der 23. April: Dinant, das schöne Städtchen an der Meuse

Heute haben wir in Dinant am linken Ufer der Meuse, direkt gegenüber der Stiftskirche und der Zitadelle angelegt. Die heutige Fahrt war mit 6 Schleusen der erste kleine Schleusen-Marathon. Nachdem wir bei der ersten Schleuse unser Tagesziel angegeben hatten, waren die folgenden Schleusen alle für uns offen. Jedoch haben wir bei der Ecluse de Hun bei einer allgemeinen Kontrolle der "Police de la Navigation" 40 Minuten preisgegeben. Die zwei Polizisten hatten vermutlich Langeweile, derzeit protestieren die Binnenschiffer an der niederländischen Grenze zu Belgien und haben die Wasserstraßen gesperrt. Somit müssen die Sportboote für Kurzweil sorgen. Oben in der Schleuse angekommen, haben sie alle Dokumente kontrolliert und die Daten abgeschrieben, Sportboot-Führerscheine, Flaggenzertifikat, Registrierung des Funkgerätes usw. keine Kennziffer wurde ausgelassen, das nimmt so seine Zeit in Anspruch. Nach den Dokumenten haben Sie die Sicherheitsausrüstung so lange kontrolliert, bis Sie endlich eine abgelaufene Prüfplakette fanden und den Zeigefinger heben durften. Nach einer kostenlosen Ermahnung durften wir die Schleuse verlassen. Heiter aufgelegt haben wir unsere Fahrt bis Dinant fortgesetzt. Dinant ist das bisher schönste Städtchen an der Meuse und allemal eine Reise wehrt. Auch hier gibt es eine Zitadelle auf dem Berg. Nachdem wir gestern schon eine Zitadelle zum Nachmittag hatten, haben wir heute das beeindruckende Bauwerk am Tag und in der Nacht nur von unten angeschaut. Auch lebte in Dinant Antoine Joseph Sax, er war ein belgischer Instrumentenbauer und Musiker und der Entwickler des Saxofons.

Mittwoch, der 24. April: Wir sind in Frankreich!

Heute passieren wir die Grenze zwischen Belgien und Frankreich. Der letzte Meuse Abschnitt in Belgien ist überwältigend schön, das Tal der Meuse wird enger und einsamer. Es gibt nur noch wenige kleine Ortschaften, ansonsten besteht das Tal aus einer wenig befahrenen Landstraße auf der einen Seite und einem Treidelpfad auf der gegenüberliegenden Seite. Die Berghänge sind bewaldet, nur wenige schroffe Felswände unterbrechen die Wälder. Die Ausflügler und Radfahrer auf dem Treidelpfad winken und die wenigen Autos auf der Landstraße hupen uns freundlich zu, wir winken zurück.

 

Frankreich empfängt uns mit einer offenen Einfahrt zur "Ecluse 59 Les 4 Ceminees". Ohne Wartezeit fahren wir in die Schleuse, nachdem sie uns 2,70 m in die Höhe gehoben hat, erwartete uns schon der Schleusenwärter. Er fragt nach den Bootspapieren, registriert uns und überreicht die Fernsteuerung für die folgenden Automatik-Schleusen. Wir kaufen die notwendige Vignette und für 12 € einen sehr nützlichen Hafenführer "Guide du Plaisancier 2013" mit der Beschreibung von 700 Häfen und Anlegestellen an allen Binnenwasserstraßen in Frankreich. Nach weiteren 3 km beenden wir die Etappe und legen in Givet an.

Bilanz der Reise durch Holland und Belgien

Gefahrene Strecke: Gesamt: 443,5 km 308 km in Holland; 135 km in Belgien
Schleusen: Gesamt: 25 11 in Holland; 14 km in Belgien
Motorstunden: Gesamt: 53,5 h  

Insgesamt wurden wir auf der Maas/Meuse 96 m in die Höhe gehoben, 44 m in Holland und 52 m in Belgien.

Frankreich, von Givet bis Toul

Donnerstag, der 25. April: Ein Tunnel und 10 französische Schleusen

Heute war unser erster Reisetag in Frankreich, voller Vorfreude auf den neuen Nervenkitzel in Form eines 570m langen Tunnels und 10 Kanal-Schleusen im Miniformat, zugelassen für Boote von maximal 47,50m Länge und 5,50m Breite, legen wir um 9:30 ab. Unsere Bumble-Bee ist 3,60m breit mit je einem Fender von 25cm Durchmesser links und rechts haben wir eine Breite von 4,10m, da bleiben nur 70cm Platz auf jeder Seite. Nach 20 Minuten erreichen wir die erste Schleuse am Eingang zum Tunnel von Ham. Wir fahren langsam an Funkempfänger vorbei, drücken den Knopf der Fernbedienung und nichts rührt sich, neuer Anlauf, Knopf drücken - nichts rührt sich, was machen wir denn verkehrt? Wir waren zu zweit in Givet gestartet, das Boot, das mit uns übernachtet hatte war gleichzeitig abgefahren. Sie versuchen es auch, nichts rührt sich. Als letzte Rettung rufen wir beim vnf in Givet an, wir erklären unser Problem und erhalten die Antwort unser Problem wird weiter gegeben. Nach 10 Minuten kommt ein vnf-Auto und die Schleuse wird manuell in Betrieb gesetzt. Das Wasser strömt aus der Kammer, die Tore öffnen sich und wir können gemeinsam einfahren. Nachdem das hintere Tor geschlossen hat, schießt von vorne das Wasser wie ein Wildwasserfall in die Schleuse. Unsere Bumble-Bee wird innerhalb weniger Minuten 3,30m in die Höhe katapultiert. Hinter dem Schleusentor beginnt das nächste Abenteuer, die Fahrt durch einen Tunnel, der nicht viel breiter als die Schleuse ist. Langsam fahren wir in den Tunnel hinein, er ist schnurgerade und ich steuerte den kleinen hellen Ausgang an. Mit 5km/h tuckern wir ohne Probleme durch den Tunnel.

Nachdem die Schleuse am Tunnelausgang auch manuell bedient wurde, funktionierte bei den nächsten 6 Schleusen die Automatik. Wenn alles funktioniert ist es kinderleicht, 300m vor der Schleuse am Funkempfänger vorbeifahren, den Knopf der Fernbedienung drücken und die Schleuse wird für die Einfahrt vorbereitet. Wenn das Tor offen ist, wird die Einfahrt freigegeben. In der Kammer legen wir mit der Mittellinie an der Leiter unterhalb der Bedienung an. Ich steige die glitschige Leiter hinauf nehme Bug- und Heckleine entgegen und starte die Schleuse. An Land stehend halte ich die Bugleine und Christine führt die Heckleine über eine Winsche. Wie sollte es auch anders sein, die letzte Schleuse unserer Tagesetappe "Ecluse 50 de Revin" hat auch eine Störung und wir müssen erneut den vnf anrufen. Nachdem auch dieses Problem von einem vnf-Mitarbeiter beseitigt wurde steuern wir den Passantenhafen von Revin an. Hinter der ersten Brücke rumpeln wir plötzlich hart mit unserem 1,60m tiefen Kiel über eine Untiefe, obwohl ich genau in der Mitte zwischen grüner und roter Tonne steuere. Es ist ein kurzer Schreck, die Wassertiefe steigt rasch wieder an und wir legen problemlos im Passantenhafen an.

Samstag, der 27. April: Unsere erste technische Panne.

Nachdem wir gestern in Revin spontan einen Hafentag einlegten geht es heute weiter. Den Hafentag nutzten wir für Einkäufe und als Waschtag. Im Hafen gibt es zwei Waschmaschinen und zwei Wäschetrockner. Für den Waschgang und den Trockner bezahlten wir zusammen 6 €, die Bedienungshilfe von der freundlichen Hafenmeisterin gab es gratis obendrauf.
Auch hatten wir im Hafen die anderen Skipper auf die Untiefe angesprochen. Wir erhielten für die Ausfahrt den Tipp uns dicht an den grünen Tonnen zu halten. In Abstand von ca. 5m zu den grünen Tonnen passierten wir die Untiefe und hatten dabei eine minimale Wassertiefe von 2,5m. Wenn wir den erneuten Kälteeinbruch, 5 Grad Celsius um 8:00 Uhr aussparen, begann die Tagesetappe sehr entspannt. Die ersten drei Schleusen nahmen wir wie die Profis, dann urplötzlich beim abstoppen in der Schleuse 46 Monthermé lief die Maschine nach dem auskuppeln weiter zurück und wir führen ohne es zu wollen rückwärts aus der Schleuse hinaus. Ein erster Check ergab, die Veränderung des Schalthebels kommt nicht am Getriebe an, Schaltzug gerissen oder irgendwas in der Richtung. Mit manueller Bedienung direkt am Getriebe fuhren wir erneut in die Schleuse. Mit den Bootshaken und einer schnellen Bugleine an der Leiter konnten wir abstoppen und festmachen.

Anlegesteg in Bogny-sur-Meuse

Jedoch hat unser Manöver - rein in die Schleuse, rückwärts wieder hinaus und wieder hinein, die Automatik aus dem Konzept gebracht und wir müssen den vnf anrufen. Nach der Schleusung zogen wir mit Bug- und Heckleine unsere Bumble-Bee aus der Schleuse und legten am Oberlauf an. Der vnf-Mitarbeiter gab uns die Telefonnummer eines Monteurs, der dann auch am Samstag zu uns kam. Die Ursache war schnell entdeckt, ein kleines Kunststoffteil, mit dem der Schaltzug am Schalthebel befestigt ist, war gebrochen. Wir haben einen LEWMAR Schalthebel und ich könnte den Produkt-Verantwortlichen von LEWMAR mit exponentiell wachsender Begeisterung in den Hintern treten. Warum ist ein Bauteil, das den ganzen Druck und Zug beim Schalten aufnehmen muss aus billigem Kunststoff. Der Monteur baute das Kunststoffteil vom Gaszug an den Schaltzug und wir können wieder schalten, Gas geben wir direkt am Gaszug. So fuhren wir über LEWMAR schwer verärgert bis zum nächsten Anlegesteg in Bogny-sur-Meuse.

Montag, der 29. April: Wir trödeln nach Charleville-Mezieres

In Bogny-sur-Meuse hatten wir noch eine zweite Nacht verbracht und sind heute mit unserem Handgas-Verfahren 19km weiter nach Charleville-Mezieres gefahren. Von der Fahrt wäre zu berichten, dass die Gegenströmung der Meuse mittlerweile 2-3km/h beträgt und wir kommen bei Marschfahrt nur mit 8-9km/h vorwärts. Der Monteur von Point-a-Bar Service sagte am Samstag, er will heute einen neuen Schalthebel bestellen und wir sollen am Dienstag nachfragen, wann er der Schalthebel in der Servicestation Point-a-Bar montieren kann. Bis dahin sollten wir in Charleville-Mezieres bleiben, denn Point-a-Bar hat nur wenige Häuser uns sonst nichts.

Dienstag, der 30. April: Wir warten auf die Reparatur

Wir haben den Point-a-Bar Service angerufen und eine gute und eine schlechte Nachricht erhalten, der neue Schalthebel ist eingetroffen, wegen dem Feiertag am 1.Mai kann er erst am Donnerstag moniert werden. Das gibt uns ausreichend Zeit Charleville zu erkunden. Es ist eine interessante Stadt und besonders der Rathausplatz ist einer der schönsten Europas. Wir liegen alleine im großen Hafenbecken am Campingplatz und schauen den Anglern zu. Dabei versuchen wir die individuellen Methoden des Fischfangs zu verstehen, etwas zu lernen schadet ja nicht. Gefangen wurde jedoch im Verlauf unserer Beobachtungen kein einziger Fisch.

Donnerstag, der 2. Mai: Reparatur in Point-a-Bar

Wir haben bereits um 9:00 abgelegt, um recht früh nach Point-a-Bar zu kommen. Wir wollen bis 12:00 ankommen, um nach der Montage des neuen Schalthebels noch nach Sedan zu fahren. Unser "wollen" alleine reichte nicht, so hat uns die Gegenströmung wieder sehr gebeutelt und wie bisher an jedem Fahrttag auf dem Canal de la Meuse funktionierte mindestens eine der Automatikschleusen nicht. Heute funktionierte die Schleuse 40 nicht. Beim Öffnen des Tors blieb es halb geöffnet stehen und die Schleuse zeigte mit zwei roten Lichten "außer Betrieb" an. Über eine Stunde mussten wir im Unterlauf der Schleuse warten, bis der vnf-Service erschien. Infolgedessen erreichten wir Point-a-Bar erst um 14:00 Uhr. Nachdem der neue Schalthebel endlich montiert und getestet war, reichte die Zeit nicht mehr zur Weiterfahrt und wir blieben über Nacht.

Freitag, der 3. Mai: Mit Regen nach Mouzon

Der Kai von Mouzon

Auch heute haben wir um 9:00 Uhr abgelegt, um endlich dem Mittelmeer näher zu kommen. Der Schalthebel funktioniert aber er hat uns 4 Tage Aufenthalt gekostet und wir haben auf dem Canal de la Meuse noch keine 100km zurückgelegt. Zu allem Überfluss regnet es am Vormittag recht heftig und wir planen als Tagesziel das 30km weiter gelegene Mouzon. Wie am jedem Fahrttag zuvor funktionierte auch heute eine Schleusen Automatik nicht, diesmal war es die Schleuse 36. Auch hier mussten wir beim vnf anrufen.

 

Hierzu gibt es eine zentrale Hotline +33 (0)800 863 000, im Unterschied dazu empfinden wir es viel effizienter direkt bei der zuständigen vnf-Subdivision anzurufen. Von der Werkstatt in Point-a-Bar haben wir folgende Telefonnummern erhalten:

  •     Subdivision Verdun, ecluse 1 Troussey bis ecluse 33 Pouilly Tel: +33 (0) 329 83 74 21
  •     Subdivision Charleville, ecluse 34 l'Alma bis ecluse 43 Montcy Tel: +33 (0) 324 37 29 36
  •     Subdivision Givet, ecluse 44 Joigny bis ecluse 59 Les 4 Cheminées Tel: +33 (0) 324 42 01 57
Hochwasser der Meuse

Der starke Regen hat das klare Wasser der Meuse in eine braune Brühe verwandelt und es treibt sehr viel Holz und Unrat auf dem Wasser. In einem schmalen Schleusen-kanal konnten wir einen im Wasser treibenden großen Ast nicht ausweichen, der sich dann auch prompt am Kiel verhakte. Mit nur noch 5km/h haben wir über einen Kilometer weit den Ast durch den Grund des Kanals geschoben. Erst im tiefen Flussabschnitt konnten wir uns durch volle Fahrt zurück wieder von dem Ast befreien.

Samstag, der 4. Mai: Im Hochwasser nach Dun-sur-Meuse

Dun-sur-Meuse

Nachdem wir in den vergangenen drei Wochen schon ausreichend Regen, Kälte und Wind hatten, kam das fehlende Hochwasser heute hinzu. Belgische Segler, die vom Mittelmeer kommend mit uns am Steg in Mouzon lagen erzählten, sie hätten mehrere Tage Regen gehabt. Dementsprechend führt die Meuse viel Wasser. An den Ufern stehen die kleinen privaten Anglerstege unter Wasser und an einigen Stellen fließt das Wasser in die tiefer liegenden Auen, die Gegenströmung beträgt mittlerweile 4km/h. Unser Tagesziel, Dun-Sur-Meuse erreichten wir dessen ungeachtet recht entspannt. Den ganzen Tag schien die Sonne und alle Automatik-Schleusen funktionierten. Das ist der zweite Tag unserer Reise, an dem wir ab Mittag im T-Shirt fahren können.

Sonntag, der 5. Mai: Die mechanischen Schleusen kommen

Hinweise für die mechanischen Schleusen

Für heute sind wir beim vnf für 9:30 Uhr an der ersten mechanischen Schleuse angemeldet. Die Schleusen 27 bis 11 des Canal de la Meuse sind die letzten mechanischen Schleusen auf unserer Reise und werden von einem Wärter händisch mit Kurbeln bedient. Vom 1. September bis 31. Mai muss man seine Durchfahrt bis 15:00 Uhr des Vortages anmelden, dann fährt ein Schleusenwärter mit dem Auto nebenher und bedient die Schleusen. So weit so gut, es sieht nach einem guten Tag aus, es scheint die Sonne und es ist warm, letzte automatische Schleuse ohne Probleme passiert und die erste mechanische Schleuse empfängt uns mit einem offenen Tor. Der Schleusenwärter wartet schon und wir werden auch sofort geschleust. Als wir aus der Schleuse fahren wollen, ruft er: "Stop un problème, navigation fermé"! Das Hochwasser der vergangenen Tage hat zugenommen und die Durchfahrt von Verdun ist gesperrt. Er kann uns nur bis zur letzten Schleuse vor Verdun bringen, dort müssten wir minderndes zwei Tage in der Natur warten. Das gerade heute, am Abend erwarten wir Barbara und Volker. Zwei liebe Freunde, die uns eine Woche begleiten wollen und als Treffpunkt haben wir Verdun vereinbart. Wir fassen den Entschluss zu wenden und zurück nach Dun-sur-Meuse zu fahren, dort haben wir einen Schwimmsteg mit Strom und Wasser und Barbara und Volker können uns leichter finden. Wir wenden im engen Schleusenkanal und vereinbaren mit dem Schleusenwärter Dienstag gleiche Zeit, neuer Versuch.

Montag, der 6. Mai: Die kürzeste Etappe

Warteplatz in der gefluteten Schleuse 27

Es vergeht kein Tag ohne eine neue Überraschung, die Sonne scheint, am Vormittag im Supermarkt eingekauft, Restaurant für den Abend ausgewählt, dann kommt am Nachmittag ein vnf-Auto angefahren. Es ist der Schleusenwärter vom Vortag mit der Nachricht wir müssen den Steg verlassen er ist nicht mehr sicher. Das Hochwasser steigt weiter und wir sollen 2 Schleusen hinauf in den Schleusenkanal, hinter die Schleuse 27 fahren. Der Versuch im Schleusenkanal anzulegen scheitern an der zu geringen Wassertiefe und so liegen wir 20 Minuten später sicher in der gefluteten Schleuse. Als wir unser Abendessen zubereiten, werden wir aufgefordert die Schleusenkammer zweimal vorübergehend zu verlassen, und es wurden noch weitere 5 Boote in den sicheren Kanal evakuiert.

Sonntag, der 12. Mai: Wir liegen immer noch in der ecluse 27

Das Tal der Meuse bei Dun-sur-Meuse

Wir liegen immer noch in der Schleuse und beobachten täglich den Wasserstand. Hierzu haben wir einen Baumstumpf am Ufer als Pegel gewählt. Seit dem vergangenen Sonntag steigt der Wasserstand beständig an. Vom vnf gibt es auf unsere Nachfrage jedes mal die Auskunft es wird noch 2-3 Tage dauern. Jedoch ist bis heute der Wasserstand täglich gestiegen. Auch sind Volker und Barbara heute abgereist, sie wollten uns eine Woche begleiten und sind durch das Hochwasser genau 2km und 2 Schleusen gefahren. Ungeachtet der Hochwasserpause haben wir die Zeit mit Ausflügen und Kartenspielen gesellig verbracht. Langsam fällt uns die Wartezeit immer schwerer.

Mittwoch, der 15. Mai: das Hochwasser ist geschafft!

Yaba Daba Doo - das Hochwasser ist geschafft, seit Montag sinkt der Wasserspiegel und für heute haben wir vom vnf die Erlaubnis zur Weiterreise. Bevor wir von unserer weiteren Tour berichten, wollen wir uns auch an dieser Stelle bei den hilfsbereiten und gastfreundlichen Bewohnern des Hauses an der Schleuse 27 herzlichst bedanken. Sie haben uns mit Elektrizität, Wasser und Baguette versorgt, darüber hinaus haben sie uns ein Auto für Einkäufe und Ausflüge geliehen. Alle, die nach uns die Schleuse 27 passieren, bitten wir der Familie unsere lieben Grüße zu übermitteln.

In Verdun angekommen

In sechs Stunden sind wir die 7 Schleusen und 40km bis Verdun gefahren, obwohl das Wetter hundsmiserabel war, barbarisch kalt (gefühlte 8 Grad Celsius), Wind mit 4Bft von Steuerbord und es hat 5 von 6 Stunden Fahrtzeit geregnet. Unser Bimini war als Sonnenschutz gedacht, gleichwohl schützt es auch etwas vor dem Regen. Charlie unser Bordhund saß wie der "begossene Pudel" im Cockpit. Der Stadtrundgang fiel demzufolge etwas kürzer aus. Zumal wir in den 10 Tagen Hochwasserpause viermal mit dem geliehenen Auto in Verdun waren und neben den Einkäufen auch die Stadt erkundet hatten.

Donnerstag, der 16. Mai: So ein Sauwetter!

Ich habe lange überlegt, wie ich meinen Kommentar zum heutigen Wetter formuliere. Auf der einen Seite könnte ich eine Äußerung abgeben, die sich gewaschen hat und die sich alle Wettergötter hinter den Spiegel stecken können. Aber ich will es mit den Damen und Herren nicht gänzlich verwirken und beschreibe einfach unser Outfit: Unterwäsche + Ski-Unterwäsche + Ski-Socken + Winterpullover und als äußerste Schicht den Offshore-Segelanzug inklusive Bootsstiefel, Ohrenband und Handschuhe. Ach-ja, gut das wir ein Regen-Bimini haben. Da wir jedoch nach den Verzögerungen der letzten Wochen endlich Strecke machen wollen, haben wir eisern durchgehalten und sind die wunderschöne Kanaletappe bis St-Mihiel mit 9 handbetriebenen Schleusen gefahren.

Zwischen Verdun und St-Mihiel

Darüber hinaus hatten wir in der historisch sehr belasteten Region um Verdun ein charmantes Beispiel zur Völkerverständigung. Wir haben den Schleusenwärter bei der Kurbelarbeit im Regen bedauert und er hat uns bei der Regenfahrt bedauert.

 

Landschaftlich war die Fahrt großartig, auf der Backbordseite ragen die Bäume weit über das Wasser und auf Steuerbord beginnen die Bäume hinter dem grün- bewachsenen Treidelpfad. Alle paar Meter steht ein Reiher am Ufer und dann haben wir auch noch einen Eisvogel gesehen.

Anlegesteg in St-Mihiel

Kaum in St-Mihiel festgemacht steht auch schon eine Mitarbeiterin vom Touristenbüro am Boot. Sie überreicht uns eine Information zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt und erzählt, welche Veranstaltungen es am kommenden Pfingstwochenende gibt. Die Gastfreundlichkeit und Aufmerksamkeit der Menschen unterwegs ist außergewöhnlich. Der Schleusenwärter pflückt im Schleusengarten Maiglöckchen und schenkt sie meiner Frau, weil sie kalte Finger hat. Alle Personen am Ufer winken und in den Ortschaften wünschen uns alle Passanten mit einem freundlichen "Bonjour" einen guten Tag.

Freitag, der 17. Mai: der dritte Tag mit Regen und Kälte

Tee mit Rum macht Regen und Kälte erträglich

Das ist der dritte Tag mit Regen und Kälte. Zum Glück ist unser heutiges Ziel nur 5 Schleusen und 22km weiter. Folglich legen wir klitschnass und frierend um 13:30 Uhr in Commercy an. Nach dem klarieren des Bootes gibt es zuerst einen Tee mit Rum. Danach sieht die Welt erheblich besser aus. Der Regen hat auch aufgehört und wir sind frisch für den Stadtrundgang. Im Verkehrsbüro wird uns persönlich jede Sehenswürdigkeit der Stadt vorgestellt, bevor wir zum Rundgang entlassen werden.

Fabrique de Madeleines in Commercy

Die Menschen hier sind stolz auf ihre Vergangenheit und geben das auch an die Besucher mit großer Bereitschaft weiter. Besonders gefallen hat uns das Schloss (Sommerresidenz des polnischen Königs Stanislaus), die Pharmacie Ecole de Nancy (Apotheke im "Jugendstil" von 1907) und die Fabrique de Madeleines (Madeleine, ein Dienstmädchen von Stanislaus hat in Commercy das Gebäck zum ersten mal den Gästen angeboten). Da die Madeleines kartonweise aus dem Haus getragen wurden, haben wir auch mit einer großen Tüte zugeschlagen - köstlich zum Tee mit Rum.

Samstag, der 18. Mai: Über den Canal de la Marne au Rhin nach Toul

Heute sind wir eine besondere Teilstrecke gefahren, zuerst ging es die letzten 5 Schleusen auf dem Canal de la Meuse bergwärts bevor wir auf den Canal de la Marne au Rhin wechseln. Nach einem 10km langen Kanalstück auf 250m Meereshöhe folgte mit 860m Länge der Tunnel von Foug. Anschließend geht es mit 12 Schleusen im 700 m Abstand bergab ins Tal der Mosel. Mit dem heutigen Sonnenschein vergingen die 6 Stunden wie im Flug und wir haben schon um 15:30 Uhr im Port de France in Toul angelegt. Beim ersten Rundgang hat uns Toul sehr gefallen, hier werden wir das Pfingstfest verbringen und mindestens einen Hafentag einlegen.

Dienstag, der 21. Mai: Pfingsten in Toul

Als wir vergangenen Samstag Toul erreichten, wollten wir am folgenden Pfingstsonntag einen Waschtag einlegen. Mittlerweile hatten sich drei Waschmaschinen an schmutziger Wäsche angesammelt und in Toul gibt es eine Waschmaschine und einen Wäschetrockner. In der Nacht auf Pfingstmontag setzte dann so ein richtig fieser Dauerregen, ohne absehbares Ende ein. Damit war die Entscheidung "Wir fahren am Dienstag" schnell getroffen. Was sich aber heute als fatale Fehlentscheidung herausstellt, nach dem Regen der vergangenen Tage führt ein Landregen mit bis zu 60l Regen pro Quadratmeter unabwendbar zu Hochwasser. Die Mosel ist auch erwartungsgemäß am Pegel Toul von 1m auf 3m angeschwollen und die Schifffahrt wurde heute um 9:00 Uhr eingestellt. Unsere zweite Hochwasserpause, nur diesmal in einem Hafen.

Bilanz der ersten Frankreich-Etappe von Givet bis Toul

Gefahrene Strecke: Gesamt: 304,1 km  
Schleusen: Gesamt: 74  
Motorstunden: Gesamt: 54,1 h  

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© Rainer Klotz