Osterreise nach Texel

Samstag, der 16. April

Wir lassen es ruhig angehen, zu Hause ausschlafen, frühstücken und dann langsam nach Lelystad aufbrechen. So erreichen wir nach einem Supermarkt-Zwischenstopp Hafen und Boot erst am Nachmittag. Erschreckende Erkenntnis, die Vögel haben beim Überflug unserer Bumble-Bee reichlich Ballast abgeworfen und es hat uns ungerechterweise besonders oft getroffen. Als erzieherische Maßnahme werden wir die Fütterung der Hafen-Vögel einstellen, für die nächsten zwei Wochen zumindest. Für heute ist erst mal genug an Action, klar Schiff machen wir morgen.


Lelystad: Unser Heimathafen ist Lelystad am Ostufer des IJsselmeeres. Lelystad selbst ist industriell geprägt und nicht mit den alten historischen Städten wie Enkhuizen oder Horn vergleichbar. Hauptattraktion ist die Batavia-Werft, sie ist eine Reise wert. Hier wurde ein Dreimastschoner aus der Zeit der Ostindiencompany (16. Jahrhundert) nachgebaut und kann besichtigt werden. Mittlerweile liegt das nächste Schiff aus dieser Zeit auf Kiel und in der Batavia-Werft kann man den Handwerkern bei der Arbeit zuschauen.

Sonntag, der 17. April

Heute ist Hafentag angesagt, nach dem Winterlager muss der Mast neu getrimmt, die Segel auf die Rollanlagen gezogen und Kleinkram erledigt werden. Auch braucht Charlie, unser acht Monate alter Australian Shepherd Rüde, noch einen Tag um sich an das unbekannte Bordleben zu gewöhnen.

Montag, der 18. und Dienstag, der 19. April

Am Morgen verkündet die niederländische Küstenwache: "Hochdruckgebiet über der Deutschen Bucht. Wind 3-4Bft aus Ost". Na das ist doch was, genau richtig um mit Kurs 330Grad Enkhuizen anzusteuern. In Enkhuizen liegen wir bevorzugt im Buitenhaven, es ist einer unserer Lieblingsplätze am IJsselmeer. Da wir recht früh ankommen, finden wir an der Kopfseite noch einen freien Platz.

Enkhuizen:  Hier startete im 16. Jahrhundert die "Ostindienflotte" zu den Fahrten Richtung Asien, um mit dem Gewürzhandel einer der größten Seemächte der Welt zu werden. Die Altstadt hat die Atmosphäre der damaligen Zeit bewahrt und die alte Hafenanlage ist noch erhalten. Abends im Cockpit sitzend kann man sich leicht vorstellen, wie es zuging, wenn die Ostindienfahrer zu Ihren monatelangen Fahrten aufbrachen.

Logbuchzusammenfassung des Tages:
Gefahren, aktueller Tag:  15,6sm, davon 1,6sm unter Motor
Fahrzeit, aktueller Tag:    4 Stunden

 

Mittwoch, der 20. April

Unser heutiges Ziel ist Medemblik. Die Küstenwache verkündet im Wetterbericht: "Das Hoch der Vortage liegt nun über Südschweden. Der Wind kommt mit 3-4Bft aus Südost."
In gutem Abstand dem Küstenverlauf folgend geht es um 10:00 nach Medemblik. Der Wind ist beim Ablegen schon schwach und von 3-4Bft kann keine Rede sein. Kaum haben wir die Segel gesetzt, wird der Wind immer schwächer und nach 45 Minuten dümpeln wir in der Flaute. Also muss unser Volvo-Diesel-Wind den Rest der Fahrt schieben. In Medemblik fahren wir in den Middenhaven und legen an der rechten Hafenseite an.

Medemblik: ist die kleinste und älteste der westfriesischen Städte. Bei der Ansteuerung begrüßt den Segler die stolze Zwingburg an der Mündung des Hafens. Bei traumhaftem Frühlingswetter, wir haben über 20Grad in Cockpit, laden die zahlreiche Straßencafés und Restaurants im Zentrum und entlang des Hafens zum Bummeln und Verweilen ein.

Logbuchzusammenfassung des Tages:
Gefahren, aktueller Tag:  12,9sm, davon 10,9sm unter Motor
Gefahren, Reisestrecke: 28,5sm, davon 12,5sm unter Motor
Fahrzeit, aktueller Tag:    3 Stunden, 15 Minuten

 

Donnerstag, der 21. April

Wie an den Vortagen verkündet die Küstenwache: "Das Hoch liegt heute stationär über Dänemark, Wind aus Ost mit 3-4Bft." Soweit die Theorie, das sollte theoretisch eine gute Voraussetzung für die Fahrt nach Workum sein. Um 10:30 Leinen los und quer über das IJsselmeer. Nach zwei Stunden unter Segel stellen wir fest, Aiolos, der griechische Gott der Winde hat es heute auf der Brust. Das hat er nun davon, wenn er auch an den ersten warmen Abenden mit seiner Frau Eos, der Göttin der Morgenröte, bis zur Morgenröte durch die Hafenkneipen zieht. Wir gönnen Aiolos einen Ruhetag und der Diesel-Wind schiebt uns in Workum in den Kolk vor der Schleuse.


Workum: ist eine der 11 Städte Frieslands, zwischen IJsselmeer und dem friesischen Meer. Es ist eine schöne Stadt, die früher entlang eines Kanals lag. Workum ist ein idealer Ausgangsort für Radtouren durch Friesland.

Logbuchzusammenfassung des Tages:
Gefahren, aktueller Tag:  20,4sm, davon 12,4sm unter Motor
Gefahren, Reisestrecke: 48,9sm, davon 24,9sm unter Motor
Fahrzeit, aktueller Tag:    5 Stunden, 30 Minuten

 

Freitag, der 22. April

Heute ist Karfreitag und unser Ziel lautet Texel oder genauer gesagt der Waddenhaven in Oudeshild. Die Wetterprognose passt auch: "Hoch über Schweden und Wind mit 2-4Bft aus Ost". Der Ruhetag hat Aiolos gut getan und wir fliegen bei 4Bft Wind aus Ost zur Seeschleuse in Den Oever. Um in der Waddenzee mit abfließendem Wasser zu fahren, haben wir sehr viel Zeit und können in Den Oever noch eine aktuelle Seekarte kaufen. Im Texelstrom haben wir dann eine Begegnung der besonderen Art, von hinten kommt einer der großen modernen Fischkutter mit Vollgas angebraust. Bevor wir ihn bemerken und reagieren können werden wir von seinen Bugwellen quer erfasst und ordentlich durchgeschüttelt. Alles was nicht in den Schapps verstaut war landet nach einem Flug durch die Kajüte auf dem Boden.

Oudeschild: ist der Heimathafen der Fischereiflotte von Texel und hat im ersten Hafenabschnitt schon einen recht rauen Charme. Der Hafen von Oudeschild ist voll mit großen modernen Kuttern und die Wildsau aus dem Texelstrom liegt jetzt ganz friedlich am Pier. Unser Weg zum Pasantenhafen führt uns bis zum hintersten Hafenende. Bei der Vorbeifahrt an den Boxenreihen dann ein Schock, alles besetzt. Die zweite Vorbeifahrt sagt, ganz hinten durch, in der für unsere Bootslänge vorgesehenen Boxenreihe, könnte noch was frei sein. Rein in die Gasse und welch ein Glück, zwei Plätze. Der erste Platz viel zu schmal, das passt niemals. Der zweite Platz könnte gehen wenn unsere Bumble-Bee die Luft anhält und wir unser Hummelchen vorsichtig unter Zuhilfenahme eines Schuhhörnchens in die Lücke quetschen. Sitzt, passt, wackelt und hat Luft, jetzt noch die Festmacher belegen und dann ist Ostern.

Logbuchzusammenfassung des Tages:
Gefahren, aktueller Tag:  30sm, davon 6sm unter Motor
Gefahren, Reisestrecke: 78,9sm, davon 30,9sm unter Motor
Fahrzeit, aktueller Tag:    6 Stunden, 30 Minuten

 

Samstag, der 23. und Sonntag, der 24. April

Traumhaftes Wetter, wolkenlos und mittags in der Sonne über 20Grad warm. Die Augen unseres Hundes sagen eindeutig: "Lass ma' chillen!" Wir wollen keine Tierquäler sein und verbringen mit Spaziergängen, kurzen Radtouren und rumhängen zwei herrliche Hafentage.

Montag, der 25. April

Nach zwei ruhigen Tagen im Hafen ruft uns die See. Der Wetterbericht sagt für Texel: "Das Hoch liegt heute über Südschweden, gute Sicht, Wind von 3-4Bft anfänglich aus Ost im Tagesverlauf auf Nordost drehend." Für unser Zwischenziel, die Seeschleuse Kornwerderzand ist die angekündigte Windrichtung nicht optimal, da müssen wir wohl stellenweise im Texelstrom gegen den Wind kreuzen. Um die einlaufende Flut maximal zu nutzen, legen wir um 9:00 Uhr ab. Für unsere Verhältnisse zur normalen Frühstückszeit. Windgott Aiolos hat entweder den Wetterbericht der Küstenwache verschlafen oder liegt schon am Strand. Selbst mit klopfen, streicheln und vielen lieben Worten an den Windmesser zeigt er zur Mittagszeit maximal 1-2Bft an. Zum aufkreuzen in der mitlaufenden Strömung fehlt die notwendige Fahrt im Boot, was soll's dann muss der Volvo-Diesel-Wind ran. Nach der Seeschleuse wird das immer noch nichts mit dem Wind und wir verkürzen unsere Tagesetappe von Stavoren nach Workum.

Logbuchzusammenfassung des Tages:
Gefahren, aktueller Tag:  31,7sm, davon 14,1sm unter Motor
Gefahren, Reisestrecke: 110,6sm, davon 45sm unter Motor
Fahrzeit, aktueller Tag:    6 Stunden, 20 Minuten

 

Dienstag, der 26. und Mittwoch, der 27. April

Wir liegen wieder im Kolk vor der Schleuse und es kündigt sich eine Wetteränderung an, Flugzeuge ziehen lange Kondensstreifen hinter sich her, erste Schleierwolken ziehen auf und der Wind legte gut zu. Die Küstenwache meldete beunruhigende Windböen von bis zu 40kn. Gemeinsam mit dem holländischen Paar hinter uns am Steg kommen wir zu der Entscheidung, das müssen wir uns nicht antun. Wir verbringen noch zwei Tage mit Spaziergängen und Radtouren hinter den Deichen. Am Abend gibt es Hafenkino und wir beobachten, mit welchem Geschick die großen Segler in dem kleinen Kolk wenden.

Donnerstag, der 28. April

Heute wollen/sollten wir nach Lelystad fahren. Die Küstenwache meldet am Morgen: "Das Hoch der vergangenen Tage hat sich nach Norwegen verkrümelt und ein Tief wird im Tagesverlauf über die Niederlande ziehen. Der Wind kommt mit 4-5Bft aus Nord. Schauer mit Hagel und Windböen bis 30kn sind möglich". Für die nächsten Tage verspricht der Wetterbericht keine nennenswerte Verbesserung, somit entscheiden wir ohne Zwischenstopp in Lemmer oder Urk direkt nach Lelystad zu fahren.
Unter ständiger Beobachtung von Himmel und Wasser fahren wir um 10:00 Uhr los. Zunächst bliebt die angedrohte Hagelschauer auch aus, aber in der Höhe von Urk streifte uns ein Regengebiet. Das kann langsam kein Zufall mehr sein, immer wenn wir auf dem IJsselmeer richtig schwer nass wurden erwischte es uns vor Urk.

Logbuchzusammenfassung des Tages:
Gefahren, aktueller Tag:  33,5sm, davon 13sm unter Motor
Gefahren, Reisestrecke: 144,1sm, davon 58sm unter Motor
Fahrzeit, aktueller Tag:    7 Stunden, 20 Minuten

 

Freitag, der 29. April

Heute noch aufräumen und klar Schiff machen. Für den Fall, dass der Sommer 2011 das hält, was auf dieser Reise das Frühjahr versprochen hat, fahren wir zum Segelmachen und bestellen ein Bimini.

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© Rainer Klotz